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Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1934

Wie immer in den vergangenen Jahren sind die Aktivitäten der "Undine"-Mitglieder in den ersten Wochen des Jahres auf die zu veranstaltenden Fastnachts-Feste ausgerichtet. Bereits am 21. Januar 1934 steigt im Hotel Adler die traditionelle Damensitzung der "Undine". Wir zitieren die "Main-Spitze" auszugsweise:

Die Damensitzung der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

Auch die diesjährige Damensitzung der Undine hat wieder einmal mehr gezeigt, dass die Menschen mit Vorliebe solche Veranstaltungen besuchen, wo sie nach Herzenslust lachen, wo sie sich an ulkigen und humoristischen Darbietungen erfreuen und ergötzen können, denn lange vor Beginn der Sitzung war der Römersaal bis auf den letzten Platz gefüllt und wieder war es eine große Anzahl Besucher, die keine Sitzgelegenheit mehr fanden und umkehren mussten. Aber auch das hat die Damensitzung der Undine bewiesen, dass die wirtschaftliche Besserung auch den inneren Menschen umstimmt und ihn empfänglicher macht für Vorträge und humorvolles Spiel, wie es nun einmal bei solchen närrischen Sitzungen an Fastnacht Sitte und Brauch ist. Da war nichts von Gedrücktsein, nichts von den Alltagssorgen vergangener Jahre, und da war es denn auch nicht verwunderlich, dass aus der diesjährigen Sitzung der Undine eine Glanzleistung auf karnevalistischem gebiete wurde, wie wir sie schöner und abwechslungsreicher wohl noch nie bei der Undine erlebt haben.

Pünktlich um 8.11 Uhr ging das Vorspiel "Unser der Kampf – unser der Sieg" über die Bretter, das von Heinrich Knopp verfasst und von Karl Müller, Max Schmidt und Theodor Schmitt gespielt wurde. Nach dem Musikstück der Kapelle "Emden" erfolgt der Einzug des Komitees, das sich auch in diesem Jahr aus den alten, lieben Bekannten und Trägerinnen echten Humors zusammensetzte. Besonders herzlich begrüßt wurde es, dass die Präsidentin der früheren Sitzungen, Sophie Zimmermann, auch in diesem Jahre wieder das Narrenzepter führte. Ganz treffend meinte sie in ihrer Begrüßungsrede:

"Prinz Karneval hat mit Bedacht den ganzen Umschwung (im Reich) mitgemacht. Ihn freut des starken Führers Mut, denn ach, er weiß es nur zu gut, dass wahrer Witz und Fröhlichkeit, echter Humor der Narrenzeit nur dann sein schönes Ziel erreicht, wenn er des Volkes Seel' entsteigt, die in Zufriedenheit sich wiegt, und nicht in Angst und Bangen liegt."

Auf das Chorlied "Karnevalsträume" kam die närrische Sekretärin, Kätchen Simon, die das Protokoll verlas. Der "Risselsemer Beobachter" (Heinrich Knopp) bewies anschließend, dass er ganz im Bilde war, ob es sich nun um politische oder örtliche Begebenheiten handelte.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 17. Januar 1934 anlässlich der Damensitzung der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

Anzeige in der "Main-Spitze" am 24. Januar 1934 anlässlich des Großen Maskenballs der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

Nach einer verunglückten Entenjagd mit Kätchen Simon folgte das humoristische Gesamtspiel "Wenn Du eine Schwiegermutter hast!". Verfasser Heinrich Knopp und die Spieler Frau Göbel, Ella Fritz, Klara Müller, Helmine Bastian und als Schwiegermutter Kätchen Kromm hatten großen Erfolg. Das darauf folgende Intermezzo der närrischen Hauskapelle unter Leiter Willi Barthel "Eine Musikprobe auf dem Lande" brachte die Lachmuskeln zur Höchstleistung und das Ende des ersten Teils.

Auf das Lied "Wir feiern unser Fassenacht" von Verfasser Konrad Beuerle folgte als Massendarbietung eine humoristische Liederfolge mit den Gesangskünstlern Frau Poth, Frl. Karbach, Frl. Eberle, Frau Bopp, Kätchen Müller, Frau Westhoven, Ella Fritz, Helmine Bastian und dem Obersänger Heinrich Knopp, die textlich und gesanglich keine Wünsche offen ließ. Theodor Kaiser bestieg daraufhin die Bütt und berichtete über die Besteigung des Feuerwehrturms und Ella Fritz war es vorbehalten, die Glossen eines 60jährigen gesanglich zu übertragen. Im ersten Zwiegespräch des Abends wussten zwei Waschweiber (Kätchen Müller und Kätchen Kromm) so allerlei von örtlichen Begebenheiten zu berichten. Flott in der Aufmachung, vornehm in der Wirkung dann zwei famose Coupletsänger (Heinrich Knopp und Max Schmidt). Beschlossen wurde die Vortragsfolge von den beiden Laternenanzündern Fridolin und Schambes (Karl Müller und Hermann Fischer), die gründlich hineinleuchteten und gar manches ins richtige Licht stellten. Wenn es inzwischen auch schon spät geworden war, die närrische Gemeinde hielt aus, bis das letzte Lied, wenn auch nur teilweise, gesungen war, und dann erst leerte sich der Saal allmählich.

Sie ist nun auch vorbei, die diesjährige Sitzung der Undine, und alle, die dabei waren, werden mit uns übereinstimmend feststellen, dass es eine der schönsten Sitzungen war, die die Undine bisher abhielt.

Eine Woche nach der Damensitzung veranstaltet die "Undine" an gleicher Stelle, im Hotel Adler, ihren Großen Maskenball "Eine Fahrt ins Blaue" mit der Kapelle Emden.

Das erstmals gemeinsame Anrudern aller deutschen Rudervereine findet am 15. April 1934 statt. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

Anzeige in der "Main-Spitze" am 13. April 1934 anlässlich des gemeinsamen Anruderns aller deutschen Ruderer

Der Tag des Deutschen Rudersports

Auf Anordnung des Verbandsführers findet am 15. April das erste gemeinsame Anrudern des Deutschen Ruder-Verbandes statt. Nicht so, dass sich alle deutschen Ruderer an einem bestimmten Ort mit ihren Booten träfen, sondern so, dass alle deutschen Rudervereine ihr Anrudern an diesem einen bestimmten Tag begehen. Alle Ruderer sollen an diesem Tag bei ihrer Feier wissen, dass überall in deutschen Gauen, wo gerudert wird, am gleichen Tag, vielleicht zur gleichen Stunde, ihre Sportkameraden in den Booten das neue Sportjahr feierlich begrüßen, dass 150.000 deutsche Ruderer in der gleichen Stunde durch das Band des Gedenkens an das Gemeinsame in ihrer Betätigung verbunden sind. Diesem Gemeinsamen, das da heißt: Volk und Vaterland, wollen die Ruderer mit ganzem Herzen und ganzer Kraft auch 1934 dienen. Nirgends in deutschen Landen haben die Ruderer in den letzten Monaten Winterschlaf gehalten.

Überall wurde an der Erziehung und Ertüchtigung der Jugend gearbeitet. Es ist heute nicht mehr so, dass erst mit Beginn des Frühjahrs wieder der Ruderer eine sportliche Tätigkeit ausübt, sondern durch die Vorarbeit im Ruderbecken hat der Ruderer die grundlegenden Übungen schon hinter sich. Die Ruderer wollen also mit ihrem Anrudern der Öffentlichkeit von ihrem Schaffen und Wirken ein Bild geben und alle die, die noch immer abseits stehen von Leibesübung und Sport, darauf hinweisen, dass eine planmäßige Übung des Leibes und der Sinne eine selbstverständliche Pflicht für jeden Deutschen ist. Auch die Verpflichtung derjenigen Ruderer, die dazu ausersehen sind, die Farben der Vereine auf den Regatten zu vertreten, findet am gleichen Tag in feierlicher Form statt, was im Hinblick auf die kommende Olympiade 1936 ebenfalls von besonderer Bedeutung ist. So wird also das gemeinsame Anrudern in allen deutsche Gauen am 15. April Zeugnis davon ablegen, dass in den Rudervereinen ein junges Geschlecht heranwächst, gesund an Körper und Geist.

Der Paddelsport nimmt in der "Undine" einen immer größeren Aufschwung. Da man im vergangenen Jahr eine neue Paddelhalle erstellt hat und somit in der Lage ist, 50 Booten eine Lagermöglichkeit zu bieten, stoßen immer mehr Paddelfreunde zur "Undine". Zum Aufschwung des Paddelns schreibt die "Main-Spitze": "Dieser gewaltige Aufschwung ist nur dadurch zu verzeichnen, weil man erkannt hat, dass im reißenden Tempo der heutigen Zeit nach angestrengter Berufsarbeit der Körper Ruhe, Entspannung, Erholung sucht und sie oft nirgends besser als gerade im Sport findet. Jetzt schon kann man täglich beobachten, wie diese kleinen Fahrzeuge bei lachendem Sonnenschein auf den leicht bewegten Wellen dahingleiten. Der eingebaute Grammophon spielt eine geschmackvolle Melodie, die herrliche Frühlingslandschaft gleitet vorüber, der Mensch nimmt dankbar diese Schönheiten in sich auf, ohne dabei von Maschinengeräuschen der Landstraße gestört zu werden. Hier ist die Entspannung und Erholung, die so mancher, vom Beruf überlastet, sucht."

Ruderer-Pass, ausgestellt im Jahr 1927 vom Süddeutschen Ruderverband  für den Ruderer der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim, Philipp Wagner. In den Jahren 1927 bis 1933 ist er siebzehn Rennen für die "Undine" auf offiziellen Verbandsregatten gefahren und hat dabei zwölf Siege errungen, zusätzlich zwei Siege auf inoffiziellen Regatten. Nun ist er Trainer der "Undine"-Ruderer und gleichzeitig deren Steuermann.

Nachdem im Jahr 1933 alle deutschen Rudervereine im Deutschen Ruderverband (DRV) vereinigt wurden, können nun auch die Regatten des DRV besucht werden. Die erste Regatta, die die Ruderer der "Undine" in der laufenden Regattasaison besuchen, ist die Offenbacher Ruder-Regatta am 16. und 17. Juni 1934 auf der Strecke oberhalb von Rumpenheim. Obwohl die Schichtarbeit das Training hemmt, meldet die Ruderleitung aufgrund der guten Trainingsleistungen drei Mannschaften. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

RG Undine auf der Offenbacher Ruderregatta

Am ersten Regattatag, im Rennen 8 um den "Preis von Süddeutschland", konnte die Rudergesellschaft Undine den WSV Bürgel in der Besetzung Heinrich Pflug, Martin Popp, Wilhelm Wolf, Ernst Müller (Schlag) und Philipp Wagner (Steuer) mit 2 1/2 Längen abfertigen.

Am zweiten Regattatag hatte es der Wettergott ausnahmsweise einmal zu gut gemeint, denn die Sonne brannte in unbarmherziger Stärke auf das zahlreiche Sportpublikum, unter dem man übrigens auch viele Rüsselsheimer finden konnte, hernieder. Während der nun folgenden Rennen wurden durchweg gute Zeiten gefahren. Dabei konnte sich die Rudergesellschaft Undine im Zweiten Jungmann-Vierer leider nicht durchsetzen, dagegen kam es im Rennen 29 um den "Südwestachter" zu einem erbitterten Kampf mit dem Ruderverein "Freiheit" Mühlheim. Im Verlauf des Rennens geht Mühlheim in den ersten 400 Metern durch scharfes Spurten mit halber Bootslänge in Führung. Undine Rüsselsheim setzt nach und kann gleichziehen. Gleich darauf kann Rüsselsheim in Führung gehen und passiert mit langem Schlag mit zwei Längen Vorsprung das Ziel. Zeit: 6:05 Minuten. Besetzung des Achters: Walter Knauff, Jakob Wolf, Heinrich Pflug, Martin Popp, Heinrich Hägele, Heinrich Hanstein, Wilhelm Wolf, Ernst Müller (Schlag), Philipp Wagner (Steuer).

Der erste offizielle Start im neuen Deutschen Ruderverband ist somit als schöner Erfolg zu buchen. Es ist zu wünschen, dass nun Mannschaften und Instrukteure  alles daransetzen, durch zielbewusstes, planmäßiges Training weiter zu arbeiten, um auch auf den kommenden Regatten siegreich zu sein.

Klarer Sieg im "Südwestachter" der Offenbacher Ruderregatta 1934 für die "Undine"-Mannschaft mit Walter Knauff, Jakob Wolf, Heinrich Pflug, Martin Popp, Heinrich Hägele, Heinrich Hanstein, Wilhelm Wolf, Ernst Müller und Stm. Philipp Wagner

Auf der Offenbacher Ruderregatta 1934 siegreicher "Undine"-Vierer mit Stm. Philipp Wagner, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Martin Popp und Heinrich Pflug

Drei Wochen später meldet die "Undine" zur Gießener Regatta und kann erneut zwei schöne Siege erringen. Aus einem Feld von sieben Booten im Zweiten Jungmann-Vierer gewinnt die bereits in Offenbach siegreiche Mannschaft zunächst das Vorrennen und dann auch das Hauptrennen mit zwei Bootslängen. Die Mannschaft beweist damit, dass sie in ihrer Klasse keinen Gegner zu scheuen braucht. Den vierten Sieg seit den Starts auf den DRV-Regatten holen sich Walter Knauff, Heinrich Hanstein, Heinrich Hägele, Jakob Wolf, Stm. Philipp Wagner im "Ermunterungsvierer", dem Dritten Junior-Vierer, gegen den Gießener RC Hassia.

Höhepunkt des Ruderjahres ist am 21. und 22. Juli 1934 die 50. Jubiläumsregatta des Mainzer RV, die große Kampfspiel-Regatta des Deutschen Ruderverbandes verbunden mit dem 23. Deutschen Meisterschaftsrudern auf dem Mainzer Floßhafen. Die "Undine" beteiligt sich bei diesem Großereignis des deutschen Rudersports an drei Rennen, am Zweiten Jungmann- und Dritten Vierer sowie am Zweiten Jungmann-Achter. Obwohl alle diese Rennen gut besetzt sind, im Zweiten Jungmann-Vierer haben z. B. elf Mannschaften gemeldet, erreichen die "Undine"-Ruderer in allen Rennen den Endlauf.

Die Mannschaft der "Undine"  (vorn) im Zweiten Jungmann-Vierer auf der Kampfspiel-Regatta in Mainz 1934 mit Heinrich Pflug, Martin Popp, Wilhelm Wolf, Ernst Müller (Schlag) und Philipp Wagner (Steuer)

Doch zu einem Sieg reicht es für die "Undine" in Mainz nicht. Im Zweiten Jungmann-Vierer und auch im Dritten Vierer muss man sich mit dem vierten Platz im Endlauf zufrieden geben. Besser sieht es dagegen im Zweiten Jungmann-Achter aus, den der Offenbacher RuSV in 6:36,8 min für sich entscheidet, zweites Boot die "Undine" in 6:38,8 min vor dem Mannheimer RC von 1875 in 6:48,1 min und dem Mainz-Kasteler RK "Germania" in 6:49,1 min.

Nächste Regatta für die "Undine"-Ruderer ist schon eine Woche später am 29. Juli 1934 die Hanauer Ruderregatta. Und hier kann die "Undine" im Achter nochmals einen schönen Sieg verbuchen. Die Mannschaft mit Walter Knauff, Hugo Martin, Heinrich Pflug, Martin Popp, Heinrich Hägele, Heinrich Hanstein, Wilhelm Wolf, Ernst Müller (Schlag), Philipp Wagner (Steuer) holt sich den Sieg im "Südachter" in einer Zeit von 6:32 min.

Letzte Regatta am 4./5. August 1934 ist dann schon Frankfurt, wo jedoch kein Erfolg gelingt.

Bei strahlendem Sonnenschein veranstaltet die "Undine" am 9. September 1934 ihr Abrudern mit Rennen im Vierer und Achter. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Anzeige in der "Main-Spitze" am 8. September 1934

Abrudern bei der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

Nachdem am Sonntag Vormittag die Verlosung der einzelnen Mannschaften stattgefunden hatte, gingen am Nachmittag pünktlich um 2.30 Uhr die Vereinsvierer zum ersten Rennen an den Start. In diesem Rennen gebührt besonderes Lob der siegreichen Mannschaft im Boot "Undine", die es fertig brachte, im breiten Schulboot mit zirka zwei Längen Vorsprung durchs Ziel zu gehen, während sie die drei übrigen Boote als geschlossenes Feld zurückließ. Die Mannschaft fuhr in der Besetzung: Hugo Martin, Willi Allgaier, Heinrich Oehlschläger, Heinrich Hanstein, Stm. H. Gieg.

Im darauffolgenden Schülerrennen konnte die Mannschaft: K. Engel, Adam Breidert, Georg Bastian, W. Adam, Stm. Jakob Wolf unerwartet ihren Gegner glatt mit drei Längen abfertigen.

Am gespanntesten war man auf den Vereinsachter, und man sah sich auch nicht getäuscht. Beide Boote kamen mit wechselnder Führung über die Bahn, wo unter dem Jubel der Anwesenden die Mannschaft: Hugo Martin, ..., Jakob Wolf, Walter Knauff, Heinrich Oehlschläger, Adolf Leichtfuß, Wilhelm Wolf, Martin Popp, Stm. H. Gieg mit Luftkastenlänge das Ziel passierte.

Nur die Paddelrennen ließen an diesem Tag zu wünschen übrig. Die Paddler müssen unbedingt den Veranstaltungen des Vereins mehr Interesse entgegenbringen, sind sie doch letzten Endes nicht nur Bootslagerer, sondern auch in der Hauptsache Vereinsmitglieder.

Nachdem die sportliche Veranstaltung in jeder Hinsicht zufriedenstellend verlaufen war, beschloss ein gemütliches Beisammensein in der Bootshauswirtschaft das Abrudern 1934.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 26. Oktober 1934

Anzeige in der "Main-Spitze" am 29. Dezember 1934

Die Mitgliederversammlung der "Undine" wählt bei der Jahreshauptversammlung Adam Simon zum Vereinsvorsitzenden.

Am 27. Oktober 1934 feiert die im Jahr 1919 gegründete "Undine" ihr 15-jähriges Stiftungsfest in den Räumen des "Rüsselsheimer Hofs". Wir zitieren zu diesem Jubiläumsfest die "Main-Spitze":

15-jähriges Stiftungsfest der RG Undine mit Vereinsball

Mit Beginn der akademischen Feier wartete die Kapelle Haumann mit einigen guten Musikstücken auf. Hierauf begrüßte der Vereinsvorsitzende Adam Simon die Anwesenden. Als erstes trug Fräulein H. Simon einen gut betonten, sinnreichen Prolog vor, in dem sich wahrheitsgetreu die Vergangenheit, der Kampf und der Aufstieg des Vereins spiegelte.

Im Anschluss daran ergriff der Zweite Vorsitzende das Wort, um einen Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre zu werfen. In seiner Rede führte er aus: "Nach dem Kriege am 7. Juli 1919 traten im Bootshaus elf Männer zusammen, fast ausschließlich Mitglieder der früheren Undine und gründeten an diesem Abend einen neuen Verein, für den man dann in einer späteren Mitgliederversammlung den Namen Undine beibehielt. Die nun folgenden Nachkriegsjahre mit ihren unheilvollen Begleiterscheinungen, wie Inflation und steigende Arbeitslosigkeit, stellten die Vereinsleitung vor immer schwierigere Aufgaben, um den jungen Verein zu erhalten. Wenn nun der Verein diese Perioden glücklich überstand, so sei am heutigen Stiftungsfeste vor allen Dingen den Mitgliedern gedankt, die sich durch ihren Opfermut und Tatkraft für die Sache des volkstümlichen Rudersports einsetzten. Nicht minder herzlichen Dank gebührt der Firma Adam Opel und deren Inhabern, den Behörden und an deren Spitze die Gemeinde Rüsselsheim, ohne deren bereitwillige Unterstützung es vielleicht manchmal nicht möglich gewesen wäre, das Erreichte zu festigen und das Vereinsschiff in diesen wetterwendischen Zeiten über Wasser zu halten." Der Redner bat hierauf die elf Gründer, soweit sie anwesend waren, auf die Bühne zu kommen. Er dankte ihnen mit den Worten: "Ihr wart es, die 1919 den Grundstein zu unserer Undine legten, Ihr wart es, die Ihr, ein jeder in seiner Art, die Geschicke des Vereins geleitet und mitgeholfen habt, den Verein aufzubauen, und Ihr seid es nun heute, die Ihr verwirklicht seht, was Euch bei der Gründung der Undine vorschwebte, den Rudersport volkstümlich zu gestalten und die Einheit aller Ruderer im geeinten nationalsozialistischen Deutschland mitzuerleben."

Bei der nun folgenden Fahnenweihe übergab der Redner mit den Worten: "Alles für Undine, alles für den Rudersport, alles für Deutschland!" die Flagge ihrem Träger, Sportkameraden Ernst Müller. Den Schluss der akademischen Feier bildeten zwei Reigen, ausgeführt von den Damen der Turngesellschaft 1885 Rüsselsheim. Als erstes die Tanzpantomime "Brunnenzauber". Bei abgeblendetem, farbenprächtigem Licht glitten die Tänzerinnen in geschmackvoller Kostümierung mit harmonischen, anmutvollen Bewegungen über die Bühne. Dabei sei gesagt, dass gerade dieses Stück restlos gefallen konnte und so den ausführenden Tänzerinnen, als auch dem einstudierenden Oberturnwart Astheimer alle Ehre machte. Auf einen kräftig einsetzenden Applaus hin musste das Stück wiederholt werden. Der "Holzschuhtanz", bei dem die Tänzerinnen, wie das Wort schon sagt, in entsprechendem Aufzug durch den Saal klapperten, fand ebenfalls größtes Gefallen. Der Vorsitzende dankte hierauf der Turngesellschaft Rüsselsheim, dass sie die Veranstaltung verschönern half. Im Anschluss daran fand ein großer Vereinsball statt.

Beschlossen werden die gesellschaftlichen Veranstaltungen des Jahres bei der "Undine" mit einem großen Silvester-Ball im "Frankfurter Hof".

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