Home

Allgemein

Hockey

Rudern

Tennis

Archiv Kontakt Sitemap Impressum

Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1911

Im Januar 1911 schreibt der Vorstand der Undine folgenden Brief an den Gemeinderat von Rüsselsheim:

Rüsselsheim, den 17. Januar 1911

An den Wohllöblichen Gemeinderat Rüsselsheims

Betrifft: Ankauf einer der Gemeinde gehörigen Wiese.

Wie dem Wohllöblichen Gemeinderat wohl schon langer bekannt ist, hat sich im Laufe des Jahres 1910 hier eine Rudergesellschaft namens "Undine" gegründet. Da wir nun in diesem Verein im ersten Jahre schon tüchtig Fortschritte machten und uns zwei Boote anschaffen konnten, waren wir genötigt, ein dazu erforderliches Bootshaus zu bauen. Wir ersuchten deshalb Herrn Baron von Seckendorf um einen Platz, und Herr Baron gestattete es in liebenswürdiger Weise, dass wir unser vorläufiges Nothaus auf einem ihm gehörigen Acker vor der Festung stellen konnten.

Die Rüsselsheimer Festung steht nun aber unter dem Denkmalschutz, und so wurden uns Einwendungen gemacht, weil unser Bootshaus den Anblick auf die Festung verunschönere, und daraufhin kündigte uns Herr Baron den Platz wieder. Wir sahen uns deshalb genötigt, nach einem anderen Platz Umschau zu halten und fanden nun einen ganz geeigneten, der Gemeinde gehörigen Platz. Derselbe liegt, wie beiliegende Skizze zeigt, oberhalb der Fohlenweide rechts des Maindammes. Wir sind nun gesonnen, ein Bootshaus zu bauen, welches mehrere tausend Mark kosten wird, und dazu wollten wir uns diesen Platz kaufen. Da wir doch den volkstümlichen Rudersport betreiben, und somit die Gesundheit der Jugend fördern wollen, weil Rudern doch zweifellos der gesündeste Sport ist, so bitten wir den Wohllöblichen Gemeinderat höflichst uns gütigst mitteilen zu wollen, ob wir diesen Platz käuflich erwerben können.

Indes mit aller Hochachtung zeichnen wir

Rudergesellschaft Undine

Der Geschäftsführende Vorstand
Neun (Schriftführer) Becker (1. Vorsitzender)

Der Gemeinderat stellt den gewünschten Platz zur Verfügung und bietet das Gelände der Undine zu einem Preis von 3 Mark pro Klafter zum Kauf an. Die Undine errichtet darauf eine Bootshalle.

Undine-Ruderer vor der zweiten Bootshalle der "Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim" 1911 östlich der "Fohlenweide"

Im Juni 1911 wird der Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht eingetragen.

Am 2. Juli findet in Frankfurt die 17. Ruderregatta des Süddeutschen Ruderverbandes statt. Start ist an der Oberräder Schleuse, das Ziel befindet sich nach einer 1.900-Meter-Ruderstrecke vor dem Schlachthof. Die Undine meldet bei der Regatta zum "Preis vom Main", einem Anfänger-Vierer, die Mannschaft Ch. Barth, K. Diehl, Georg Koch, A. Lippert und Stm. Gustav Bräutigam. Zum Vorrennen am Vormittag, in dem die Undine den 2. Platz belegt, berichtet der "Wassersport": "Ein scharfes Rennen machten die zwei schönen Mannschaften, von denen die "Borussia" schließlich Sieger blieb." Im Entscheidungsrennen am Nachmittag treffen Borussia Frankfurt, Germania Offenbach, Alemannia Frankfurt und die Undine aufeinander. Der "Wassersport" berichtet: "Geschlossenes Rennen mit abwechselnder Führung von Offenbach und Borussia bis 1.500 Meter. Während Borussia dann kräftig loszog, dicht gefolgt von den noch auf dem dritten Platz liegenden Rüsselsheimern, fiel Offenbach zurück, Alemannia schied mit Dollenbruch aus."

Mit Schreiben vom 2. September 1911 fordert die Gemeinde die Rudergesellschaft Undine auf, den Kaufpreis für das Gelände bis zum 1. Oktober zu zahlen, andernfalls die Gemeinde von dem Kaufvertrag zurücktritt. Einige Tage später schreibt der Vorstand folgenden Brief an den Gemeinderat:

Rüsselsheim, den 19. September 1911

An den Wohllöblichen Gemeinderat zu Rüsselsheim

Wir schätzen uns im Besitze Ihres Schreibens vom 2. d. Mts. und teilen Ihnen ergebenst mit, dass unser Gesamtvorstand in einer Vorstandssitzung vom 6. d. Mts. nach reiflicher Überlegung den Beschluss gefasst hat, bei dem in Frage kommenden Gelände von einem Kauf Abstand nehmen zu müssen.

Der Grund hierzu liegt in der Brandkatastrophe der Opel-Werke, denn unser Verein ist daraufhin von unseren 60 zahlenden Mitgliedern auf ca. 30 zurückgegangen und stehen jetzt noch verschiedene junge Leute zum Weggang bereit. Unser Vorstand erblickt hierin eine Gefahr zur Einlösung unserer Verbindlichkeiten bei unserem Gläubiger und müssen wir deshalb Abstand von einem Kauf nehmen. Nichtsdestoweniger erklären wir uns bereit, für den der Gemeinde entstandenen Schaden, den der Hochwohllöbliche Gemeinderat die Güte haben wird, uns nicht allzu hoch zu bemessen, voll und ganz aufzukommen. Gleichzeitig erlauben wir uns die höfliche Bitte an Sie zu richten, das obere Stück dieses Geländes bis zur Grenze unseres Bootshauses auf eine Reihe von Jahren zu pachten und erbitten wir hierüber Ihren gefl. Bescheid.

Hochachtungsvoll
Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (eingetragener Verein)

Becker (1.Vorsitzender)      Bastian

Mit dem Vorschlag, das Gelände zu pachten, ist der Gemeinderat gegen Zahlung von 40 Mark als Pachtgeld und Entschädigung einverstanden.

Welches Jahr nun? Hier klicken!!!