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Geschichte der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim (RGUR)
von 1910 bis 1914 und von 1919 bis 1942

1926

Zu Beginn des Jahres veranstaltet die "Undine" am 30. Januar 1926 wieder ihren "Großen Maskenball" in allen Räumen des Hotels Adler.

Da am 5. und 6. Juni 1926 von der "Undine" auf dem Main in Rüsselsheim die erste SRV-Verbandsregatta des Jahres abgehalten wird, schreibt der Vorstand der "Undine" am 20. April zwei Briefe an den Gemeinderat von Rüsselsheim:

Rüsselsheim, den 20. April 1926   

Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

An den wohll. Gemeinderat, Rüsselsheim a/M.

Unterzeichneter Verein erlaubt sich mit nachstehender Bitte an den wohll. Gemeinderat um geneigteste Befürwortung heranzutreten.

Zu Ihrer gefl. Kenntnisnahme teilen wir Ihnen mit, dass unser Verein am 5. & 6. Juni 1926 eine Verbandsregatta am Platze abzuhalten gedenkt. Zur besseren Ausgestaltung dieser Veranstaltung richten wir die höfliche Bitte an Sie, uns an genannten Tagen den Landungsplatz zu überlassen. Betreffs einer von uns geplanten Absperrung des Maindamms von der Mainpforte bis zur Allee werden wir uns mit dem Wasserbauamt Mainz ins Benehmen setzen, erbitten jedoch auch hierin, eine Genehmigung Ihrerseits im Voraus erteilen zu wollen.

In der Hoffnung in obiger Angelegenheit Ihre volle Unterstützung in Anspruch nehmen zu können mit dem Hinweis auf den Zweck der Veranstaltung, Erziehung und Ertüchtigung unserer Jugend, erwarten wir Ihre Baldige Antwort und zeichnen

Hochachtungsvoll !

Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim
Max Seifert, 1. Vorsitzender

 

Rüsselsheim, den 20. April 1926   

Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim

An den wohll. Gemeinderat, Rüsselsheim a/M.

Unterzeichneter Verein erlaubt sich mit nachstehender Bitte an den wohll. Gemeinderat um geneigteste Befürwortung heranzutreten und versichern Ihnen im Voraus unseren besten Dank für die evtl. Gewährung derselben.

Zur gefl. Kenntnisnahme teilen wir Ihnen ergebenst mit, dass unser Verein am 5. & 6. Juni ds. Jrs. eine Verbandsregatta des Südd. Ruderverbandes hier abhält. Bei dieser Veranstaltung kommen 17 Rennen zur Ausfahrt, für welche noch etliche Preise fehlen.

Wir erlauben uns mit der Bitte an wohll. Gemeinderat heranzutreten, uns für diese Veranstaltung einen Wanderpreis für das Rennen "Begrüßungs-Vierer" stiften zu wollen. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass Sie verehrtester Gemeinderat unsere Bitte erfüllen werden. Durch die Stiftung eines Preises leisten Sie wohll. Gemeinderat ein gutes Werk an unserer Jugend, welche wir heranziehen zum Sport zur körperlichen und geistigen Ausbildung und Erziehung zur Disziplin, um sie später als gereifte Männer unserer Gesellschaft zuzuführen.

Mehr denn je sind heute die Sport-Vereine, nachdem die früheren Erziehungs- & Bildungsmethoden beim Militär weggefallen sind, dazu berufen, unsere Jugend heranzubilden.

In der Hoffnung keine Fehlbitte getan zu haben, zeichnet

Hochachtungsvoll !

Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim
Max Seifert, 1. Vorsitzender

Beide Gesuche der "Undine" werden vom Gemeinderat befürwortet, der Landungsplatz wird der "Undine" an den Regattatagen zur Verfügung gestellt und ein Wanderpreis wird gestiftet.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 28. Januar 1926

Anzeige in der "Main-Spitze" am 1. Mai 1926

Anzeige in der "Main-Spitze" am 8. Mai 1926

Am 2. Mai 1926 veranstalten die fünf Nachbarvereine Ruderverein Rüsselsheim, Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim, Flörsheimer Ruderverein 1908, Flörsheimer Rudergesellschaft 1921 und Ruder-Club 1920 Raunheim ihr Anrudern erneut gemeinsam. Die Bootsauffahrt beginnt am Bootshaus der "Undine" führt bis zur Raunheimer Schleuse, von da zurück zur "Undine" und endet am Bootshaus des RVR.

Schon eine Woche später, am 9. Mai 1926, vollzieht die "Undine" an ihrem Bootshaus die Bootstaufe eines neu angeschafften Rennachters. Unter den Teilnehmern befinden sich die "Spitzen der hessischen Regierung, des Kreisamts Groß-Gerau und der Gemeinde Rüsselsheim" (Zitat "Main-Spitze"). Am Abend wird dieser freudige Tag mit einer Tanzveranstaltung im Hotel Adler beschlossen.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 3. Juni 1926

Titelseite des Regattaprogramms

Seite aus dem Regattaprogramm

Am 5. und 6. Juni 1926 hält der Süddeutsche Ruderverband (SRV) seine erste Regatta des Jahres ab, die  56. Verbandsregatta in Rüsselsheim, wobei insgesamt vierzehn Rennen zur Austragung kommen. Siebzehn Vereine haben ihre Meldungen abgegeben, die mit 58 Booten und 320 Ruderern an den Start gehen. Gestartet wird an der Fähre in Flörsheim, das Ziel ist am Landungsplatz in Rüsselsheim, so dass eine Strecke von 2.000 Metern zu durchrudern ist. Die "Undine" meldet ihre Ruderer zu vier Rennen, dem Jungmann-Gig-Vierer, dem Schüler-Gig-Vierer, dem Jungmann-Achter und dem Ermunterungs-Gig-Vierer. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

Rüsselsheimer Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes

RG Undine Rüsselsheim gewinnt den Opel-Preis im Jungmann-Achter

Das sich zu einer Sportstadt auswachsende Rüsselsheim stand am Samstag und Sonntag im Zeichen des volkstümlichen Rudersports. Die hiesige RG Undine hatte die erste diesjährige Regatta des SRV wohl vorbereitet. Von einigen Kollisionen, die mehr der einen Bogen aufweisenden Strecke (2.000 Meter) zuzuschreiben sind – was dennoch keine Entschuldigung für die Steuerleute bedeuten soll – abgesehen, wickelte sich die Veranstaltung, deren großartigen Besuch selbst verschiedenen Regenschauer am Sonntag nicht beeinträchtigen konnten, unter der Leitung des technischen Ausschusses glatt ab. Die Firma Opel stellte in liebenswürdiger Weise das Begleitboot sowie das Telephon zur Verfügung. Von dem Ehrenausschuss waren u. a. Kreisdirektor Dr. Merk und Vorstandsmitglieder des RV Rüsselsheim anwesend. Für das erste Treffen standen die Leistungen sportlich auf einer beachtenswerten Stufe, vorweg in der Jungmann-, Junior- und Schülerklasse, deren vorzügliche Kräfte auf einen guten Nachwuchs schließen lassen. Ohne Ausnahme wurden die Rennen erst im Ziel entschieden. Die schönsten Rennen des Tages waren die beiden Abteilungen des Jungmann-Vierers mit den Siegern Frankfurter Borussia und Offenbacher Vorwärts. Einen hübschen Sieg vermochte Rüsselsheimer Undine im Jungmann-Achter gegen Mainzer Fortuna davonzutragen.

Regatta-Ergebnisse mit Undine-Beteiligung

Vorrennen

Jungmann-Vierer (Gig-Boot) 2. Abteilung 1. Lauf: 1. RK Germania Kastel 2. ARSV Vorwärts Offenbach 3. RV Weisenau - 2. Lauf: 1. RC Hassia Gießen 2. RG Undine Rüsselsheim (Walter Schaeffter, Karl Müller, Peter Eberle, Karl Westhoven, Stm. Josef Müller)

Ermunterungs-Vierer (Gig-Boot): 1. Lauf: 1. RG Undine Rüsselsheim (Karl Hägele, Philipp Heisel, Friedel Kammerer, Jean Riegel, Stm. Josef Müller) 2. RC Fortuna Mainz 3. WSV Hellas Gießen - 2. Lauf: 1. RV Weisenau 2. Frankfurter RG Borussia

Schüler-Vierer (1.200 Meter, Gig-Boot): 1. Lauf: 1. RG Fechenheim 3:47 min 2. ARSV Vorwärts Offenbach 3:55 min 3. RC Fortuna Mainz 4:02 min - 2. Lauf: 1. RG Undine Rüsselsheim 3:45 min 2. RV Freiheit Mühlheim 3:46 min 3. RC Hassia Gießen 3:48 min

Hauptrennen

Schüler-Vierer (1.200 Meter, Gig-Boot): 1. RV Freiheit Mühlheim 3:24, 0 min 2. RG Undine Rüsselsheim (Willi Filtzinger, Otto Jakobs, Ferdinand Trunk, Martin Popp, Stm. Josef Müller) 3:37,2 min 3. RG Fechenheim 3:39,0 min

Jungmann-Achter (Ehrenpreis der Gebr. Opel): 1. RG Undine Rüsselsheim (Walter Schaeffter, Philipp Heisel, Karl Hägele, Karl Müller, Friedel Kammerer, Karl Westhoven, Peter Eberle, Jean Riegel, Stm. Josef Müller) 6:03,6 min 2. RC Fortuna Mainz 6:05,0 min 3. RG 1921 Nied 6:11,0 min

Ermunterungs-Vierer: Durch Sieg im Jungmann-Achter ist die RG Undine nicht mehr startberechtigt.

Vierzehn Tage nach der eigenen Regatta in Rüsselsheim startet die "Undine" mit zwei Vierermannschaften, dem Schüler und dem Jungmann-Vierer auf der 57. Regatta des SRV in Frankfurt. Der Jungmann-Vierer mit Karl Hägele, Philipp Heisel, Friedel Kammerer, Jean Riegel und Stm. Josef Müller siegt über die Frankfurter Borussia und der Schüler-Vierer rehabilitiert sich für seine Niederlage auf der heimischen Regatta, indem er mit prächtigem Endspurt Mühlheim im Ziel schlagen kann.

Der Schüler-Vierer der "Undine" 1926 (Martin Popp, Ferdinand Trunk, Stm. Josef Müller, Otto Jakobs, Willi Filtzinger)

Der Jungmann-Vierer der "Undine" 1926 (Karl Hägele, Philipp Heisel, Stm. Josef Müller, Friedel Kammerer, Jean Riegel): Drei Vierer- und vier Achtersiege 1926

Die nächste Regatta für die Undine-Ruderer ist die 59. Verbandsregatta des SRV in Offenbach. Gemeldet werden Jungmann-Vierer und -Achter sowie Schüler-Vierer. Wir zitieren die "Main-Spitze":

Ein Sieg für die RG Undine auf der Regatta in Offenbach

Die am Samstag und Sonntag von dem Offenbacher Vorwärts abgehaltene 59. Regatta des SRV hatte unter sehr schlechten Wasserverhältnissen zu leiden. Das starke Hochwasser mit seiner reißenden Strömung machte den Mannschaften, ganz besonders auf den Außenstarts, schwer zu schaffen, und es gelang auf der ganzen Regatta nur dem Jungmann-Vierer mit der Besetzung Karl Hägele, Philipp Heisel, Friedel Kammerer, Jean Riegel, Stm. Josef Müller auf Start 4 zu gewinnen, was der Mannschaft ein ganz besonderes Lob einbrachte.

Im Jungmann-Achter gelang es der Mannschaft nicht, sich durchzusetzen und musste den Sieg den Mainzern überlassen. Trotzdem ist dieses Rennen noch nicht entschieden, das Rennen wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Mainz eine Wiederholung finden und dort auf einer einwandfreien Strecke dürfte es sich erst beweisen, wer der stärkere ist. Im Schüler-Rennen musste sich die hiesige Mannschaft ihrem alten Rivalen, den Mühlheimern, beugen.

Trotzdem sich nicht alle drei Rennen zu Siegen gestalten ließen, kann die Undine stolz auf die Erfolge sein. Möge weiter dieser Geist in den Mannschaften bleiben, dann werden weitere Erfolge nicht ausbleiben.

Dann findet am 8. August 1926 die Regattasaison mit der 60. Verbandsregatta des SRV und gleichzeitig der 3. Süddeutschen Meisterschaftsregatta in Mainz ihren Abschluss. Die "Undine" meldet ihre Mannschaften in fünf Rennen, und zwar im Junior-, Jungmann- und Schüler-Vierer sowie im Jungmann- und Zweiten Senior-Achter. Wenn es auch nicht allen Mannschaften zum Sieg reicht, so sind sie doch alle mit an der Spitze. Den einzigen Sieg für die "Undine" holt der Jungmann-Achter, der mit raumgreifenden Schlägen einen Vorsprung von drei Bootslängen vor Hassia Gießen, Mainz 03 und Alemannia Frankfurt herausrudert.

Die Mitglieder der RG Undine Rüsselsheim 1926 im Stadtpark (hinten: Georg Riegel, Ernst Renker, Otto Jakobs, Ludwig Lang, Westhoven sen., Friedel Kammerer, Karl Westhoven, Peter Eberle; davor: Heinrich Heilmann, Philipp Wagner, Georg Reinheimer, Fritz Steinkamp, Johann Bastian, Heinrich Ims, Hermann Müller, Martin Popp, Riegel sen.; davor: Jakobs sen., Paul Schubert, Philipp Heisel, Christoph Renker, Jakob Oswald, Karl Gerbig, Willi Filtzinger, Jean Riegel, Willi Kammerer, Hägele sen.; davor: Filtzinger sen., Georg Eberle, Adam Reinheimer, Fritz Schadt, Willi Schmitt, Georg Bastian, Max Seifert, Theodor Kaiser, Karl Müller, Walter Schaeffter, Adam Simon; vorn: Karl Hägele, Josef Müller, Ferdinand Trunk)

Am 12. September starten die Jungmannen der "Undine" auf der Internen Regatta in Eddersheim im Gast-Vierer und Gast-Achter über eine Stecke von 1.800 Metern. Der Vierer schlägt Fortuna Mainz mit zwei Längen und der Achter den gleichen Verein mit einer Länge.

Eine Woche später, am 19. September, steigt in Rüsselsheim der Höhepunkt der Regattasaison, das frei vereinbarte "Städteachter-Rennen" zwischen dem Flörsheimer Ruderverein, dem Ruderverein Rüsselsheim und der Rudergesellschaft Undine Rüsselsheim. Lassen wir nochmals die "Main-Spitze" berichten:

Rudergesellschaft Undine gewinnt den Stadtachter

Am Sonntag Nachmittag hatte sich eine stattliche Anzahl Zuschauer am Main eingefunden, um Zeuge des spannenden Achter-Rennens zu sein. Pünktlich um 1/2 6 Uhr begaben sich die Boote des Flörsheimer Rudervereins, des Rudervereins Rüsselsheim und der Rudergesellschaft Undine an den Start. Bangenden Herzens standen die Mitglieder der Undine am Ufer verteilt. Wird es ihrer Mannschaft gelingen, den Sieg an sich zu reißen oder nicht, so dachte ein jeder und wartete mit Spannung auf das Startkommando. Endlich wird der Bann gelöst, die Boote gehen vom Start, voran RVR und FRV, Undine, die etwas aufgeregt vom Start weggeht, mit 1/2 Länge hintennach. So geht es unter abwechselnder Führung der beiden ersten Boote bis zur 1.000-Meter-Linie. Bis hierher holte Undine ihren Nachteil auf und übernimmt die Führung, die sie trotz aller Vorstöße des RVR nicht mehr hergab. Mit einem grandiosen Endspurt, dicht gefolgt von RVR, geht Undine (Walter Schaeffter, Karl Müller, Karl Hägele, Philipp Heisel, Friedel Kammerer, Jakob Oswald, Peter Eberle, Jean Riegel, Stm. Josef Müller) mit 1/2 Länge, viel bejubelt von den vielen Zuschauern, als sicherer Sieger durchs Ziel. Mit diesem, dem schönsten diesjährigen Sieg, konnten die Mannschaften acht schöne Siege in diesem Jahre an die Vereinsflagge heften. Der Steuermann Müller vollendet mit diesem Erfolg sein erstes Viertelhundert Siege. Zum Schluss der diesjährigen Rennsaison den wackeren Mannschaften ein dreifach kräftiges Hipp-hipp-hurra für die vollbrachten herrlichen Leistungen.

Anzeige in der "Main-Spitze" am 16. September 1926

Anzeige in der "Main-Spitze" am 28. Oktober 1926

Anzeige in der "Main-Spitze" am 30. Dezember 1926

Am 30. Oktober 1926 veranstaltet die "Undine" in den Räumen des Hotels Adler ihr 7. Stiftungsfest mit Siegerehrung und Vereinsball. Und wie alljährlich lädt die "Undine" zu Silvester Mitglieder, Freunde und Gönner in die Räume des "Frankfurter Hofes" zu einer Feier mit Tanz ein. Das Programm des Abends besteht aus humoristischen Aufführungen, aus Vorträgen, aus Tanz nach der Musik einer Jazz-Kapelle und aus Überraschungen.

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