|
Bereits in den ersten Januar-Wochen wirft die
närrische Damensitzung der "Undine", die nun schon im vierten
Jahr in Folge veranstaltet wird, ihre Schatten voraus. Und es sind dann
Hunderte, die am 25. Januar 1931 den Römersaal des Hotels Adler füllen,
viele finden keinen Platz mehr. Alle die erschienen sind, kommen auf
ihre Kosten, denn das Programm ist wirklich großartig zusammengestellt.
Dennoch will die richtige Stimmung nicht aufkommen. "Undine"-Urschote
Heinrich Knopp hat die richtige Arznei für Griesgrämer: "Nehmt hunnert Droppe vom Humor,
trinkt fünf, sechs Halwe noch zuvor, mischt noch "Verstehstemich" enoi,
doch hochprozentig muss es soi."
|

Anzeige in der "Main-Spitze" am 20. Januar 1931 |

Anzeige in der "Main-Spitze" am 27. Januar 1931 |
Wieder ist es eine ganz neue Sache, die die
"Undine" einige Tage später, am 31. Januar 1931, bei ihrem "Gesinde-Maskenball"
aufzieht. Der erste "Gesinde-Ball" in Rüsselsheim, und das auch noch als
Preis-Maskenball! Rang- und Standesunterschiede sind an diesem Abend
aufgehoben, alles tollt und amüsiert sich in übermütiger Laune. Stimmung
ist "Trumpf", und "Trumpf" , die bekannte Schokoladenfirma, ist es, die
durch ihre "Boys" jedem Ballbesucher eine Tafel feiner Schokolade
spendiert.
Die Wirtschaftskrise
steuert mit einem Arbeitslosenheer von 6 Millionen
Menschen ihrem Höhepunkt zu. Die Schichtarbeit der
heimischen Industrie wirkt sich ungünstig auf die
Ausbildung der Sportler aus.
Dennoch wird das Wintertraining von den aktiven Ruderern bei der
"Undine" sehr intensiv betrieben, ist doch der größte Teil der
vorjährigen erfolgreichen Mannschaften im Training, um auch in der neuen
Saison die Farben ihres Vereins auf den Regatten zu vertreten. Im April
beginnt das Training auf dem Wasser, so dass allabendlich fleißig
trainierende Vierer- und Achter-Mannschaften auf dem Main zu beobachten
sind.
Die Trainings-Verpflichtung der aktiven Ruderer findet am 26. April 1931
im "Undine"-Bootshaus statt, wobei bei der "Undine" eine ansehnliche
Zahl von Ruderern zum strengen Training bereit ist.
|

Anzeige in der "Main-Spitze" am 25. April 1931 |

Anzeige in der "Main-Spitze" am 9. Mai 1931 |
Das gemeinschaftliche Anrudern der "Undine", des
Rudervereins Rüsselsheim, des Flörsheimer Rudervereins 1908 und des
Ruder-Clubs 1920 Raunheim wird am 10. Mai 1931 in Form einer
Bootsauffahrt von der Raunheimer Schleuse bis zum "Undine"-Bootshaus
durchgeführt. Eine stattliche Flottille von Ruderbooten, vom Einer bis
zum Achter, zusammen mit Paddelbooten bietet dem Wassersport liebenden
Publikum von Rüsselsheim, Flörsheim und Raunheim ein schönes Bild.
|

Ruderer aus Flörsheim und Rüsselsheim beim Anrudern 1931 am
Bootssteg der "Undine" in Rüsselsheim (im Hintergrund
links das RVR-Bootshaus) |
 Schülerachter
der "Undine" 1931 mit
Heinrich Hauschild, Ludwig Erbes, Hugo Martin, Heinrich Hägele,
Heinrich Pflug, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf und Stm. Josef
Müller |
Für die Ruderer der "Undine" sind im Jahr 1931 vier Regatten des Gaues
Süddeutschland im Deutschen Wassersportverband geplant, Gießen am 14.
Juni, Mainz am 28. Juni, Offenbach am 12. Juli und die
Meisterschaftsregatta in Mannheim am 2. August.
Bei der ersten Regatta in Gießen am 14. Juni 1931 kommen von 22
ausgeschriebenen Rennen 15 zustande, 14 Vereine mit 252 Ruderern haben
gemeldet. Die "Undine" hat vier Meldungen abgegeben, sie startet im
Ersten Jungmann- und im Schüler-Vierer, außerdem im Jungmann- und
Schüler-Achter. Wir zitieren die "Main-Spitze":
|
RG Undine
Rüsselsheim doppelt siegreich in Gießen
Mit ziemlicher
Sicherheit hatte man den Sieg der Undine-Schüler vorausgesehen.
Undine ist in dieser Klasse wieder zu ihrer früheren Höhe
aufgestiegen. Im Vierer fertigte die Mannschaft mit Heinrich
Pflug, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf und Stm. Josef
Müller in 3:38,2 min den Gießener Hellas (3:48,8) und die
Offenbacher Germania (4:04,6) glatt ab. Im Achter (außer obiger
Mannschaft noch Heinrich Hauschild, Ludwig Erbes, Hugo Martin und
Heinrich Hägele) machte die Offenbacher Germania den
Rüsselsheimern den Sieg bei zwei Längen Vorsprung nicht so leicht.
Weiter beteiligte sich Undine noch am Ersten Jungmann-Vierer und
Jungmann-Achter. Im Vierer lief die Mannschaft, die ihr Vorrennen
gegen Frankfurter Undine überlegen gewann, nach schärfstem Rennen
hinter WSV Schierstein (6:20) und Frankfurter Amicitia (6:25) auf
den dritten Platz (6:33). Der Jungmann-Achter gestaltete sich,
nachdem Frankfurter Borussia im Vorrennen gegen Undine sicher
unterlag, zu einem heißen Bord-an-Bord-Kampf zwischen Undine
Rüsselsheim und Offenbacher Germania, aus dem letzterer mit nur
Luftkastenlänge als Siegerin hervorging (Zeiten: 5:45,6 und 5:46,4
min). |
Es folgt am 28. Juni 1931 die Mainzer Regatta, bei der die
"Undine" Schüler-Vierer sowie Jungmann- und Junior-Achter gemeldet hat.
Doch in keinem Rennen kommt die "Undine" ins Ziel, im Jungmann-Achter
wird man wegen Kollision ausgeschlossen und im Junior-Achter sowie im
Schüler-Vierer wird auf der Strecke aufgegeben.
|
 |
Gemütliche
Runde im "Undine"-Bootshaus bei einem Glas Wein im Jahr 1931 (Franz Loos,
Hermann Müller, ..., Adam Simon, Ernst Renker, Walter Schaeffter,
Rudolf Wagner, "Undine"-Vorsitzender Paul Schubert und Heinrich Streck) |
Es kann nur besser werden. Zu der am 12. Juli 1931 in
Offenbach auf der 1.900 Meter langen Strecke "Chemische Fabrik
Fechenheim – Bürgel" ausgetragenen dritten Regatta des Gaues
Süddeutschland im Deutschen Wassersportverband meldet die "Undine" seine
Schüler in Vierer und Achter, die Jungmannen nur im Achter. Die "Undine"-Ruderer
schlagen sich hervorragend. Während der Schüler-Vierer "nur" den zweiten
Platz belegen kann, holt sich der Schüler-Achter in der Besetzung mit
Heinrich Hauschild, Ludwig Erbes, Hugo Martin, Heinrich Hägele,
Heinrich Pflug, Ernst Müller, Wilhelm Wolf, Jakob Wolf und Stm. Josef
Müller einen klaren Sieg über den WSV Sandhofen. Und auch
die Jungmannen der "Undine" wissen zu gefallen. Sie holen sich
den Sieg im Jungmann-Achter in 6:16,8 min äußerst knapp vor dem
Offenbacher RC Germania (6:17), der Frankfurter Borussia (6:20) und der
RG 21 Nied (6:25).
|

Knapper Sieg des Jungmann-Achters der "Undine" im Vier-Boote-Feld
auf der Offenbacher Regatta 1931 |
Die für den 2. August in Mannheim geplante Süddeutsche
Meisterschaftsregatta wird auf den 23. August 1931 nach Mühlheim
auf die 2.000-Meter-Strecke zwischen Dietesheim und Mühlheim verlegt.
Neben den vier Meisterschafts-Rennen werden 18 Rahmenkämpfe ausgetragen,
an denen sich auch die "Undine" beteiligt. Bei Hochwasser und starker
Strömung gewinnt die "Undine" überlegen mit mehr als 10 Sekunden
Vorsprung den Anfänger-Vierer gegen Fortuna Mainz und ebenfalls klar,
mehr als eine Länge voraus, den Jungmann-Achter erneut gegen den
Offenbacher RC Germania, die Frankfurter Borussia und den Frankfurter RV
Alemannia. Im "Ludwig-Pfeifer-Gedächtnis-Vierer" unterliegt die "Undine"
knapp mit 1/10 Sekunde gegen Freiheit Mühlheim, dagegen kann ein
500-Meter-Rennen knapp gewonnen werden.
|

Sieg des Jungmann-Achters der "Undine" auf der Mühlheimer Regatta
1931 vor dem Offenbacher RC Germania |
Nachdem die Rudersaison mit dem Abrudern beendet ist, hält die "Undine"
am Samstag, den 3. Oktober 1931, ihre gutbesuchte
Jahres-Hauptversammlung ab. Wir lassen die "Main-Spitze"
berichten:
|
Hauptversammlung
der Rudergesellschaft Undine 1919 Rüsselsheim
Weit mehr als im
vergangenen Jahr litt auch im Geschäftsjahr 1930/31 der Verein
unter der allgemeinen Wirtschaftskrise. Trotzdem ist es durch
äußerste Sparsamkeit gelungen, in sportlicher Hinsicht allen
Anforderungen gerecht zu werden. Die einzelnen Berichte fanden
ohne größere Diskussion seitens der Mitglieder ungeteilte
Zustimmung, waren doch dieselben der Zeit entsprechend als sehr
günstig zu bezeichnen.
Der Verein beschickte von den innerhalb des Gaues Süddeutschland
des WSV abgehaltenen Regatten insgesamt vier und konnte von dort
neben sieben ersten Siegen noch mehrere zweite Plätze mit nach
Hause nehmen. Es ist dies gewiss ein ganz außerordentlicher Erfolg,
der für die Mannschaften und Instruktoren das beste Zeugnis und
der schönste Lohn für ihre unermüdliche Arbeit darstellt.
Besonders erfreulich aus dem Jahresbericht war die Zunahme des
Mitgliederstandes; konnten doch im Verlaufe des letzten
Geschäftsjahres durch fleißige Werbung nicht weniger als 22 neue
Mitglieder dem Verein zugeführt werden.
Auch der vom 1.
Kassierer zur Vorlesung gebrachte Kassenbericht erbrachte in allen
Teilen ein sehr befriedigendes Bild, so dass auch hier eine
vorausdenkende und mit der Zeit gehende Vereinsleitung vollste
Befriedigung fand und die ungeteilte Anerkennung durch die
Mitglieder entgegennehmen durfte. So war es nicht verwunderlich,
dass auch die Wahl des neuen Vorstandes sehr schnell vonstatten
ging. Der alte Vorstand wurde in seiner Gesamtheit bis auf den 2.
Instruktor und zwei Beisitzer wiedergewählt. Nach der Wahl
verschiedener Kommissionen und Funktionäre fand anschließend die
Beratung der Anträge zum Rudertag statt. Mit einem besonderen
Hinweis auf diesen Rudertag am Samstag, den 10. ds. Mts. schloss
der 1. Vorsitzende die in allen Teilen gut verlaufene
Jahresversammlung. |
|
Auf den
Regatten des Süddeutschen Ruderverbandes in den Jahren 1923 bis
1931 gewonnene "Radaddelchen" der bei der Rudergesellschaft Undine
1919 Rüsselsheim rudernden Brüder Friedrich (Friedel) Kammerer
(1906 – 1974), Wilhelm Karl (Willi) Kammerer (1908 – 1942) und
Julius Kammerer (1913 – 1992).
Die "Radaddelchen" im einzelnen: Obere Reihe - Flörsheim 1923 (F.
K.), Mainz 1926 (F. K.), Rüsselsheim 1926 (F. K.), Mainz 1930 (J.
K.), Frankfurt 1926 (F. K.), Mühlheim 1927 (F. K.), Gießen 1930
(J. K.); Mitte - Offenbach 1931 (J. K.); Untere Reihe - Offenbach
1926 (F. K.), Frankfurt 1927 (F. K.), Mainz 1928 (W. K.), Mühlheim
1931 (J. K.), Mainz 1927 (F. K.), Mannheim 1927 (W. K.), Mannheim
1927 (F. K.) |
 |
Eine Woche später richtet die "Undine" im Römersaal des
Hotels Adler den Rudertag des Deutschen Wassersportverbandes (Gau
Süddeutschland) aus, bei dem sich die Delegierten der bisher im
Süddeutschen Ruderverband zusammengeschlossenen Rudervereine, die sich
vor Jahresfrist mit den Gauen Mitteldeutschland und Berlin-Brandenburg
im Deutschen Wassersportverband vereinigt haben, treffen. Bei der Tagung
wird der Rudergesellschaft Undine die Ausrichtung der
Meisterschaftsregatta des Jahres 1932 übertragen. Am gleichen Tag
anschließend lädt die "Undine" zu einem Kommers mit Tanz im "Adler",
wozu alle Ruderfreunde und Interessenten des Rudersports herzlich
eingeladen sind. Zum Ablauf dieses Kommerses zitieren wir die
"Main-Spitze":
|
Rudertag des Deutschen
Wassersportverbandes in Rüsselsheim
Der am Samstag
Abend im Hotel Adler veranstaltete Kommers war für die Undine
wieder ein voller Erfolg. Nach einleitenden Musikvorträgen der
Kapelle Reitz und einigen Begrüßungsworten durch den
Vereinsvorsitzenden Paul Schubert sprach das Töchterchen des 2.
Vereinsvorsitzenden, Hertha Simon, ganz vortrefflich einen von dem
Vereinsmitglied Heinrich Knopp verfassten, dem deutschen
Wassersport gewidmeten Prolog, für den die Sprecherin überreichen
Beifall entgegennehmen durfte. Der Zitherklub Alpenröschen
erfreute alsdann durch einige ganz prächtig zu Gehör gebrachte
Vortragsstücke und das Vereinsmitglied Reitz bewies durch zwei
Xylophon-Vorträge mit Orchesterbegleitung, dass er sein Instrument
hervorragend beherrscht. Den Höhepunkt des unterhaltenden Teils
aber bildeten zwei von Heinrich Knopp einstudierte und geleitete
Tanzreigen. Zunächst waren es die vier "Rosenknospen" Hertha
Simon, Wilma Kröcker, Ellinor Werner und Hannele Müller, die in
allerliebster Anmut und großer Exaktheit ihren Reigen absolvierten
und so gut gefielen, dass sie eine Wiederholung ihres Tanzes der
Rosenknospen geben mussten. Und als dann im Lichte des bunt
wechselnden Scheinwerferlichtes die vier "Nixen" über die Bühne
schwebten und im Wogen und Wiegen ihren Sirenenwalzer tanzten, da
fanden auch sie dankbares Publikum, das mit verdientem Beifall
nicht kargte. Die vier Nixen waren die Damen Ella Fritz, Kätha
Streck, Else Traiser und Käthe Renker. Von der sich anschließend
bietenden Gelegenheit, es den "Rosenknospen" und Nixen" gleich zu
tun, wurde recht ergiebig Gebrauch gemacht, und es war spät, als
man sich an diesem Abend trennte. |
|

Anzeige in der "Main-Spitze" am 12. September 1931 |

Anzeige in der "Main-Spitze" am 8. Oktober 1931 |

Anzeige in der "Main-Spitze" am 29. Dezember 1931 |
Bereits Ende des Jahres 1931 beginnen die Ruderer der
"Undine" mit dem Training für die Rudersaison 1932, man hat sich einiges
vorgenommen. Doch zum Jahresabschluss wird natürlich traditionell wieder
im "Frankfurter Hof" Silvester gefeiert, mit Jazz-Kapelle und mit
viel guter Stimmung.
|