Von Dorothea Ittmann Rüsselsheimer Echo
Nach 26 Jahren: Betreiber-Familie des Lokals im Bootshaus macht Schluss
Pachtvertrag Bootshaus läuft aus neuer Pächter gesucht
Familie Ivancic ist seit einem Vierteljahrhundert im Bootshaus für die Gäste da. Doch nicht mehr lange. Der Pachtvertrag läuft in diesem Monat aus.
Seit rund 26 Jahren und in zweiter Generation bekocht und bewirtet Familie Ivancic ihre Gäste im idyllisch zwischen Festung und Mainufer gelegenen Restaurant „Bootshaus“. Der Gastraum ist hell und geräumig, die Fensterfront gewährt einen Blick auf die einladende Sonnenterrasse. Schirme spenden dort Schatten. Noch herrscht Ruhe im Bootshaus. Bevor Restaurant-Betreiber Stipe Ivancic am Nachmittag die ersten Gäste empfängt, ist noch viel zu tun. Die Küche muss auf Vordermann gebracht und letzte Bestellungen aufgegeben werden. Zwischendurch klingelt das Telefon – eine Tischreservierung. Lange wird Stipe Ivancic nicht mehr die Gäste im Bootshaus begrüßen können. Am 21. Mai läuft der Pachtvertrag aus. „So richtig begriffen habe ich es noch nicht“, sagt Ivancic, dabei lässt er seinen Blick durch den Gastraum schweifen. Der 47-Jährige sitzt auf einer der gepolsterten Bänke am Terassenfenster, den Arm über die Lehne geworfen. „Es fühlt sich an, als würde es immer so weiter gehen.“ Dass das aber nicht geht, weiß Ivancic nur zu gut. „Man ist nur am Arbeiten, hat wenig Zeit für die Familie“, betrachtet der dreifache Familienvater die langen Arbeitszeiten in der Gastronomie pragmatisch. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass das Leben einfach an mir vorbeizieht.“ Nicht nur werktags kümmern sich Stipe Invancic, dessen Ehefrau Anda sowie sein Bruder mit Frau bis in die späten Abendstunden um das Wohl der Gäste, auch an den Wochenenden und Feiertagen arbeiten sie. Schwere Entscheidung
„Beim Hessentag war ich jeden Tag hier“, erinnert sich Ivancic an das Landesfest im Juni 2017 in Rüsselsheim. Doch nun sei der Akku leer, wie es der gebürtige Kroate formuliert. Hinzu kämen gesundheitliche Probleme seiner Frau. Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen, den Familienbetrieb aufzugeben. Schließlich hatte schon sein Vater Milan Ivancic vor ihm das Restaurant geführt. Den Pachtvertrag mit dem Rüsselsheimer Ruder-Klub (RRK) hatte er 1992 unterschrieben. Doch das Herz des Lokals war dessen Frau und Stipe Ivancics Mutter Anda gewesen.
Jahrelang hatte sie für die Gäste deutsche und internationale Gerichte gekocht. Seit dem Jahr 2000 hat Stipe Ivancic die Geschäfte übernommen. Nun schwingt seine Frau den Kochlöffel, während Bruder Mate die Gäste bewirtet. Ein Sterne-Restaurant sei das Bootshaus zwar nicht, aber wegen der guten Qualität und der großen Portionen seien die Gäste immer wieder gekommen. Die Spezialität des Hauses ist Pljeskavica (Hacksteak), es gehört zu den traditionellen Grillgerichten in Kroatien, weiß Anda Ivancic. „Die Leute sind immer wieder gern gekommen. Wenn sie reinkommen, weiß ich, was sie essen und trinken“, sagt sie schmunzelnd. „Wir sind ein bisschen wie eine große Familie.“
Umso überraschter waren die Stammgäste, als sie von den Plänen der Ivancics erfuhren. „Viele bedauern, dass wir fortgehen. Sie fragen uns: Wo sollen wir denn jetzt essen gehen?“, erinnert sich Stipe Ivancic. Er nehme sich gerne die Zeit, den langjährigen Gästen und Freunden die Gründe zu erklären. Der Familie sei es zudem wichtig, sich persönlich zu verabschieden. „Und wir wollen uns für die Treue und Unterstützung bei ihnen bedanken“, sagt Anda Ivancic zu.
Neuer Pächter gesucht
Weil die Ivancics im selben Haus arbeiten und wohnen, müssen sie bis zum 1. Juni ausziehen. In Rüsselsheim wollen sie nicht bleiben. In ihrer kroatischen Heimat haben sie ein Haus. Das wollen Stipe und Anda Ivancic mit ihren drei Kindern Michaela, Nika Rafaela und Gabriel bewohnen. Wie es beruflich weitergeht, weiß Stipe Ivancic noch nicht. Aber eines steht ganz sicher auf der Agenda: „Wir machen jetzt das erste Mal seit acht Jahren gemeinsam Urlaub“, freut sich seine Frau. Und was passiert mit dem Bootshaus? Der gastronomische Betrieb solle auf jeden Fall erhalten bleiben, versichert der erste Vorsitzende des RRK, Fritz Schmidt. Deshalb schaue sich der Verein nach einem neuen Pächter um. Erste Gespräche mit Interessenten seien bereits gelaufen. Schmidt ist guter Dinge, dass schon bald ein Nachfolger gefunden wird.