100 Jahre Hockey - von Martin Krieger
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  • 100 Jahre Hockey - von Martin Krieger
27.08.2026 08:24

Emotionales Hockey-Jubiläum beim RRK

 

Zeitungsartikel von unserem RRK-Mitglied Martin Krieger

Original Artikel HIER

Wenn es einfach zu schön und auch noch hochemotional ist, dann will man eigentlich gar nicht, dass es aufhört. Der Rüsselsheimer RK hat dank 70 deutscher und internationaler Vereinstitel zwischen 1968 und 2009 - nebst etlicher olympischer, WM- und EM-Medaillen seiner Hockeyspielerinnen und -spieler - oft rauschende Feste erleben dürfen. Die 100-Jahr-Feier der Hockeyabteilung am vorletzten August-Samstag aber sollte eine einzigartige Atmosphäre entwickeln. Obwohl pünktlich zur Eröffnung um 13 Uhr auf den Plätzen am Sommerdamm Regen einsetzte, die zum Teil von weither angereisten Gäste ließen sich in ihrer Wiedersehensfreude nicht bremsen, und nur punktuell fiel der Umarmungseifer ("Bist du die oder der...?) mal etwas zögerlicher aus. Dass Abteilungsleiter Mirco Fuchs trotz suboptimalen Wetters in seinen Begrüßungsworten einen "unvergesslichen Tag für alle" prophezeite, sollte sich jedenfalls bewahrheiten. Die Letzten verließen erst fast 16 Stunden später die stilvolle Feierlocation in der benachbarten Festung, was für sich spricht.
Aber der Reihe nach. Bevor es ab 18.30 Uhr unter anderem mit Reden von Politikern und Sportfunktionären offiziell wurde, stand das Sportliche im Vordergrund. Frühere Nationalmannschaftsgrößen aus der 41 Jahre währenden Rüsselsheimer Titelzeitspanne hatten sich zahlreich eingefunden, um zu zwei "Legendenspielen" gegen die aktuellen RRK-Aktiventeams anzutreten. Als Coach der betagteren Kollektive fungierte natürlich Berti Rauth (67), der die RRK-Damen bis zu seinem Umzug nach Hamburg 2007 zu 33 Titeln geführt hatte. Trotz eines noch nicht ganz verheilten Achillessehnenrisses dirigierte Rauth in bekannter Manier und nutzte die Drittelpausen in den 30-Minuten-Partien auch zu anspornenden Ansprachen. Augenzwinkernd sagte er etwa "Ich habe keine Lust zu verlieren" und blickte erwartungsfroh in die Runde, was seine ehemaligen Schützlinge - darunter die RRK-Vorsitzende Bianca Heinz - mit einem lauten "Jaaaaa" und großer Heiterkeit quittierten.

Dafür hatte zuvor bereits Denise Rutschmann (Klecker) gesorgt, die gemeinsam mit der ebenfalls mitwirkenden Silke Müller und der urlaubenden Mandy Rupp (Haase) 2004 in Athen auf verblüffende Weise zu Gold durchgestartet war. “Klecks” hatte eine Tasche mit zig Medaillen dabei, die sie bei der Abschlussbesprechung auf dem Boden ausbreitete, aber dafür kein rotes Trikot mehr im Schrank. Dem konnte im zweiten Anlauf Abhilfe geleistet werden, doch auf dem Platz sollte dann auch Taktikfuchs und Motivationskünstler Rauth trotz 756 Länderspieleinsätzen von neun der 19 einsatzwilligen Akteurinnen an seine Grenzen stoßen. Die Zweitliga-Vertretung nahm, wie von Co-Trainer Christian Zimmermann angekündigt, das Generationenduell durchaus ernst und hatte nach dreimal zehn Minuten mit Toren durch Zara Becker (2), Nicole Baumgärtner (2) und Neele Sack auch 5:1 die Nase vorn. Lautstark von den etwa 300 Zuschauern bejubelt wurde das zwischenzeitliche 1:2 durch Lisa Jacobi, die nach toller Vorarbeit von Petra Ankenbrand vollendete. Womöglich hätte es für die Älteren etwas besser ausgesehen, wenn etwa Britta Becker aufgrund einer Knie-Op oder Tanja Dickenscheid (nach schlimmerer Verletzung 2024) nicht hätten passen müssen beziehungsweise wollen. Welche Bedeutung die Partie für die Jüngeren hatte, fasste stellvertretend Kapitänin Carla Angnostou so zusammen: “Es war immer ein ganz großer Traum für mich, einmal mit den ganzen Legenden auf dem Platz zu stehen.”

Deutlich besser lief es für Erfolgscoach Rauth, der mit den RRK-Damen 1993 die 18 Jahre währende niederländische Dominanz im Landesmeister-Europapokal beendet hatte, im Anschluss bei den Männern. Hier war mit Norbert Boll, der in wenigen Wochen 69. Geburtstag feiert, zwar der älteste Akteur des Tages, daneben aber ein Septett mit sage und schreibe 1001 Länderspielen am Ball. 256 davon hat Björn Emmerling auf dem Buckel, doch angesichts eines getapten Oberschenkels und dem Hessenliga-Heimspiel mit dem Hanauer Herren-40-Tennisteam am nächsten Morgen vor Augen, hielt sich der grandiose Doppel-Weltmeister von 2002 und 2006 zurück. Die mittlerweile gut 400 Zuschauer begeisterten sich dafür am famosen 1:0 per Penalty-Lupfer des langjährigen Torjägers und WM-Siegtorschützen von 2002, Oliver Domke (50), sowie insbesondere an etlichen Glanzparaden von Keeper Nico Jacobi, der beim finalen 2:1-Olympiatriumph 2012 in London gegen Holland zwischen den Pfosten gestanden hatte. 

Dass der 39-Jährige nur den Penalty von Niklas Schmitt zum 1:1-Endstand passieren lassen musste, aber gleich zwei Versuche seines Neffen Julian abwehrte, bekam nicht jeder mit. "Dein Onkel hält echt super", sagte ein Knirps mit Blickrichtung zu einem anderen Jacobi-Neffen, den sein soeben erstandenes Stickeralbum aber augenscheinlich mehr fesselte. Zwischen den Legendenspielen war - von den Jüngsten sehnsüchtig erwartet - endlich Verkaufsstart gewesen. Mehr als 400 Porträtfotos der aktuellen RRK-Familie, die in den kommenden acht Wochen an drei städtischen Verkaufsstellen (Sport Göttert, Bäckerei Hofferberth, Getränke Wolf) parat liegen, können eingeklebt und verewigt werden. Die Idee dafür hatte mit Tim Schmuck der Schatzmeister der Hockeyabteilung. Das Spiel ansehen wollte eigentlich auch Rainer Seifert (78), doch der einzige noch lebende Olympiasieger des RRK-Trios von 1972 - Peter Kraus und Fritz Schmidt waren im August 2024 binnen weniger Tage verstorben - kam ebenfalls nicht dazu. “ich wurde andauernd umarmt und in längere Gespräche verwickelt”, berichtete der einst so trickreiche Stürmer. 

Die Sammelleidenschaft in Sachen Stickerbildchen wird auch Patrick Burghardt hautnah miterleben. "Eine tolle Aktion", sagte Rüsselsheims Oberbürgermeister, dessen Tochter bei den RRK-Minis mitmischt. Vor rund 300 Personen in der Festung, die mit diversen Hockey-Utensilien, einer Foto-Dauerschleife und einem Flyer zur Hockey-Historie - vom früheren RRK-Chef Fritz Schmidt jr. in rund 50 Arbeitsstunden initiiert und umgesetzt - von zahlreichen helfenden Händen liebevoll ausgestaltetet worden war, betonte Burghardt die Strahlkraft des Ruderklubs, "der seit 1968 bei jeder städtischen Sportlerehrung dabei war." Die weiteren wertschätzenden Gastreden der Vorsitzenden vom Landessportbund (Jennifer Kuhlmann), süddeutschen (Uwe Benecke) und hessischen Hockeyverband (Sibylle Wilfer) sowie Grußworten des Sportbund-Vertreters und RRK-Mitglieds Alfred Segner wurden durch drei spannende Interviewrunden mit früheren Größen und aufstrebenden Talenten aufgelockert.

Im ersten Teil fragte Abteilungsleiter Mirco Fuchs seinen langjährigen Vorgänger Martin Müller nach dem einschneidendsten Erlebnis in dessen Aktivenzeit: “Der Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft 1968 war schon ein Meilenstein für uns”, betonte Müller. Mit einem 4:1-Sieg gegen Schwarz-Weiß Köln war der RRK aus dem Schatten namhafterer Vereine getreten, und der heute 77-jährige Müller - einer von fünf noch lebenden Akteuren - hatte vor 5000 Zuschauern am Sommerdamm das Tor zum 2:1 geschossen. Wie stark die Verbundenheit zum Verein sein kann, dies kam in den Worten von Oliver Domke zum Ausdruck: “Der WM-Titel war klasse, aber mir persönlich bedeutet die deutsche Meisterschaft 2008 in der Halle mit dem Vereinsteam mehr. Und dass jemand extra aus Rumänien zu dieser Feier kommt, finde ich unfassbar”. Gemeint war Ex-Keeper Andreas Späck, der dort in der Immobilienentwicklung tätig ist. 

Was den RRK für viele so besonders macht, dafür hatte Bianca Heinz den Bogen von ihrer eigenen Laufbahn hin zum heutigen Ehrenamt gesponnen: “Wenn man spielt, macht man sich keine Gedanken darüber, was alles dahintersteckt, um das zu ermöglichen. Deshalb sind wir auch alle mit ganz viel Herzblut dabei, denn der RRK ist wie eine große Familie für uns.” Das wusste Berti Rauth mit etwas Abstand auf sehr persönliche Art zu ergänzen, denn während nach dem offiziellen Teil fast alle lecker speisten, feucht-fröhlich feierten oder mannigfach in Nostalgie schwelgten, hatte der einstige Damen-Bundestrainer (1995-2000) zunächst etwas abseits das WM-Aus des Damen-Nationalteams gegen Belgien (1:3) an seinem Handy kopfschüttelnd analysiert. Zurück in Hamburg fand Rauth dann diese Worte: “Die Nestwärme im RRK und meine Passion waren der Nährboden für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Die 100-Jahr-Feier hat mich bestätigt, dass ich damals ganz wundervolle Menschen um mich hatte. Deshalb ist der RRK auch mein Zuhause.”[nbsp]

Genau dieser Geist, dass der RRK eine große Familie und auch ein Zuhause ist, wurde nicht nur an diesem Samstag, sondern bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages immer wieder im herzlichen Miteinander deutlich. Alle, die am Platz weilten oder - wie etwa Eva Hansen (Hagenbäumer) nach einer erfolgreichen Nachmittagsrunde mit ihrem Essener Golfteam - später dazu kamen, waren sich einig: Dieses besondere Band des Zusammenhalts sollte unbedingt gepflegt werden. Am besten mit einem weiteren Familienfest.

 

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