Julian Jacobis Talent für den Hockeysport basiert offenkundig auf besonderen Genen: Während Vater Benjamin viele Jahre Leistungsträger beim TSV Schott Mainz war, blicken dessen drei Geschwister allesamt auf erfolgreiche Bundesliga- und Nationalteamkarrieren zurück. Onkel Nicolas (117 Länderspiele) war unter anderem Torwart beim letzten DM-Titel der RRK-Herren 2008 in der Alsterdorfer Sporthalle Hamburg sowie des deutschen Olympiasiegerteams von 2012, seine Tanten Lisa (2000) und Lena (2012) jeweils Hallen-Europameisterinnen.
Nationaltrikot-Traum wird Wirklichkeit für Julian Jacobi
Julian Jacobi macht beim RRK auf sich aufmerksam / Mit Deutschlands U16 quasi Hockey-Europameister
Von unserem aktiven RRK-Mitglied Martin Krieger - Original Artikel der Mainspitze findet ihr HIER
Besser haben Sommerferien für Julian Jacobi wohl noch nie begonnen. Wenn das 16-jährige Hockeytalent des Rüsselsheimer RK in der kommenden Woche in Frankreich die Beine hochlegen und die Seele baumeln lassen kann, dann tut er das nicht nur als weiterer Jugend-Nationalspieler des Ruderklubs, sondern obendrein als inoffizieller Europameister. Während die Mitschüler am Bischöflichen Willigis-Gymnasium in der Mainzer Innenstadt die freie Zeit bereits nach Belieben gestalten konnten, ackerte Jacobi ab 13. Juli bis zum vergangenen Samstag (19.) an sieben Tagen insgesamt 350 Minuten mit der U16-Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) beim großen Sommerturner im niederländischen Houten. Und das mit fünf Siegen maximal erfolgreich und mit der entsprechenden Medaille dekoriert: Den Erfolgen in der Gruppenphase gegen England (8:1), Niederlande (2:1) und Irland (4:1) folgte ein spätes 3:2 (nach 0:2) im Halbfinale gegen Belgien sowie schließlich das krönende 6:2 im Endspiel gegen Mitfavorit Spanien. "Da das Turnier wie eine Europameisterschaft aufgezogen und top besetzt war, aber es leider keine U16-EM mehr gibt, ist das halt nur ein inoffizieller Titel. Aber für mich ist das trotzdem das bislang Größte in meiner Laufbahn, auch wenn ich am Ende echt gut platt war", berichtet Julian.
Vor einem Jahr hätte der linke Offensivspieler von einer derartigen Entwicklung allenfalls zu träumen gewagt. Zuvor stets nur als Nachrücker für DHB-Lehrgänge nominiert, "konnte ich es erst gar nicht glauben, als beim Zentrallehrgang Mitte März mein Name auf der Liste für das Osterturnier in England stand", erinnert sich Jacobi an die Nominierung durch den ebenfalls aus Mainz stammenden U16-Bundestrainer Tobias Jordan. Der Premiere im Nationaltrikot am 18. April gegen England (3:1) folgte zwei Tage später beim 5:4 über Belgien der erste Länderspieltreffer. "Mein bislang bestes Spiel war aber in Brüssel beim 9:4 gegen England. Neben meinem zweiten Tor habe ich da viele gefährliche Aktionen eingeleitet und auch defensiv gut gestanden", sagt Julian, der in Rüsselsheim Hockey spielt, "seit ich denken kann." Seine Tante Lisa beurteilt die Qualitäten ihres Neffen als frühere DHB-Nachwuchstrainerin so: "Julian ist ein Zocker, feiner Techniker, schlau und sehr lernwillig."
Naheliegend, dass längst Spitzenvereine den aufstrebenden Rheinhessen im Blick haben: "Beide Mannheimer Clubs (HC und TSV/Anm. d. Red.) haben schon angefragt, aber zumindest 2026 bleibe ich auf jeden Fall in Rüsselsheim. Die Regionalliga bietet ein gutes Niveau, um mich an die ganz andere Körperlichkeit im Herrenhockey zu gewöhnen und da reinzukommen. In der Bundesliga hätte ich bestimmt überwiegend auf der Bank gesessen. Dazu möchte ich versuchen, nun auch im deutschen U18-Kader Fuß zu fassen, was nicht leicht wird. Und auch wenn das noch ganz weit weg ist - natürlich ist das ganz große Ziel die A-Nationalmannschaft." Ab dem kommenden Frühjahr darf der waschechte Mainzer im ersten RRK-Team auflaufen, wo er bereits seit Anfang diesen Jahres mittrainiert. Auch von DHB-Seite sei ihm dazu geraten worden, "vorerst im gewohnten Umfeld zu bleiben und mich langsam weiterzuentwickeln", erzählt Julian, der übrigens das Hallen- dem Feldhockey vorzieht, "weil es da einfach zu mehr Aktionen in der Box kommt."
Neben dem sportlichen Fortkommen nach inzwischen zwölf Länderspielen ist der Teenager aber auch bemüht, seine gymnasiale Laufbahn nach den Sommerferien in der Oberstufe ordentlich voranzutreiben. Die gewählten Leistungsfächer Erdkunde, Deutsch und Biologie lassen auf dem Weg zum Abitur neben hockeyspezifischen auch auf vielschichtige schulische Fertigkeiten schließen.
Der RRK gratuliert Julian herzlich zum famosen Turniersieg und freut sich schon jetzt auf den ersten Einsatz in der ersten Mannschaft im kommenden Frühjahr. Ein Glückwunsch geht aber auch an Jonas Schmidt-Busse (UHC Hamburg), dessen Vater Benedict 2007 die Nachfolge unseres langjährigen Damen-Cheftrainers Berti Rauth angetreten und fünf Jahre beim RRK gearbeitet hatte.
mit sportlichen Grüßen
Martin Krieger RRK