HOCKEY für Kinder mit Beeinträchtigungen
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17.12.2025 15:57

***HOCKEY FÜR*** KINDER MIT BEHINDERUNG

Hockey für Kinder mit Behinderung

Mit freundlicher Unterstützung der Rüsselsheimer MAIN-SPITZE

Von Jasmin Takim
 
FOTO: Jasmin Takim
 
Original Artikel der MAIN-SPITZE HIER

RÜSSELSHEIM. „Ich will Tore sehen, wer schießt heute die Tore?“ Christian Zimmermann treibt seine Schützlinge mit den gelben und blauen Westen an. „Und jetzt rein mit dem Ball – jawoll, eins zu null für Blau, meine Damen und Herren!“ Der hauptberufliche Trainer steht an diesem Nachmittag mal nicht mit seiner Jugendmannschaft des Rüsselsheimer Hockey-Clubs RRK auf dem Platz. Jeden Dienstagmittag kommt der 57-Jährige in die Helen-Keller-Schule, um Kindern mit Beeinträchtigungen beizubringen, was Pässe sind und wie sie ein Ballgefühl entwickeln.

„Das Wichtigste ist, dass die Kinder ihren Spaß haben“, sagt Zimmermanns Kollege Ralf-Peter Rausch, der dem Trainer in der Turnhalle der Förderschule assistiert. Der ehemalige Bundesliga-Spieler war früher im Vorstand des RRK und zeigt den Kindern zwischendurch, wie sie den Schläger halten oder welches Tor sie treffen müssen. „Für einen allein wäre das nicht möglich“, sagt Rausch. Immer wieder verteilt er Lob oder motiviert Kinder zum Mitspielen.

Die Idee, Hockey-Training für Mädchen und Jungen mit Behinderung anzubieten, ist schon lange in den beiden Männern gereift – zunächst unabhängig voneinander. Sie sind beide selbst schon Großväter. „Für uns ist das ein Herzensprojekt“, sagen sie.

Als Zimmermann und Rausch der Schulleiterin vor mehr als drei Monaten ihren Vorschlag unterbreitet haben, war die gleich begeistert von dem Angebot. „Wir haben hier ein sehr gutes kooperatives Miteinander“, berichtet Rausch. „Auch die Lehrer der Schule unterstützen uns.“ So etwa Thorsten Reichert, der wegen seiner Inklusionsarbeit für den SV Darmstadt 98 schon Erfahrung mitbringt und beim Hockey-Training dabei ist.

Ein lauter Pfiff mit der Trillerpfeife: Noch ein Tor, die gelbe Mannschaft hat aufgeholt, es steht zwei zu eins. „Weiter geht’s, noch zwei Minuten“, ruft Zimmermann seinen Schützlingen zu. Neun Jungen und drei Mädchen sind heute dabei, alle ziemlich unterschiedlich, sowohl was den Grad ihrer Beeinträchtigung wie auch ihre Größe betrifft: Der Kleinste ist vielleicht 1,40 Meter groß, der Größte überragt den Trainer vom RRK. „Eines der Kinder ist schwer autistisch, anderen merkt man zunächst gar nicht an, dass sie überhaupt eine Beeinträchtigung haben“, sagt Rausch.

Was die Kinder der Helen-Keller-Schule in der Sportstunde vereint, ist nicht nur, dass sie geistig und zum Teil auch körperlich eingeschränkt sind – sondern vor allem, dass sie Lust auf Hockey haben. Zumindest zeitweise. „Bei Robinja, dem Mädchen im Tor, ist es mit der Aufmerksamkeit jetzt vorbei“, registriert Rausch vom Rand aus. Dafür hat Kirubel, der Kleinste in der Halle, gerade den Ball im Tor versenkt. Zimmermann klatscht sich mit dem Jungen ab.

Kurze Pause, gleich geht ein neues Team gegen die „Gelben“ an den Start. Einer davon ist der zehnjährige Brian, der sich schon aufs „Zocken“ freut. Was das Beste ist am Hockeyspielen? „Der Trainer“, findet der aufgeweckte Junge mit den Sommersprossen.

Feste Positionen gibt es in den Teams nicht, auch die Tore sind die meiste Zeit über leer. Die beiden Hockey-Profis möchten nicht zu viel von den Kindern verlangen. „Der Schultag geht um halb sieben los, und morgens hatten sie schon Fußballtraining“, erklärt Rausch. „Die haben einen langen Tag hinter sich.“ Er und sein Mitstreiter Christian Zimmermann sind froh, dass sie das Training in der Schule anbieten können. „Momentan ist es ja nicht einfach, in Rüsselsheim eine Sporthalle zu bekommen.“

Im Sommer sollen die Förderschüler auf dem Hockeyplatz des RRK trainieren, wenn es nach Rausch und Zimmermann geht. „Unser Ziel ist, die Teilhabe der Kinder zu fördern“, sagt Rausch. „Bei uns auf dem Hockeyplatz würden sie nicht mehr isoliert trainieren, sondern auch auf Gleichaltrige treffen.“ Zumindest ein gemeinsames Aufwärmtraining wäre möglich, denkt Rausch. Ein inklusives Training für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung steht jedoch nicht zur Debatte: Das würde die Kinder der Förderschule überfordern.

Zimmermann und Rausch haben ihre Hockey-Kinder von der Helen-Keller-Schule samt Eltern zu zwei Bundesligaspielen ihres Klubs am 24. Januar eingeladen. Selbstredend sind die beiden ehemaligen Profis Verfechter des Special Hockey, bei dem Teams mit geistiger Behinderung gegeneinander antreten.

Die beiden Männer wollen auch andere Vereine dazu ermutigen, Training für Menschen mit Behinderung anzubieten. Ein Partner der Helen-Keller-Schule ist bereits der Rüsselsheimer SC Opel: Die Fußball-AG der Schule spielt auf der Anlage des Vereins, der auch eine Inklusionsmannschaft hat.

 

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