Rüsselsheimer Ruder-Klub 08 "Archiv und Chronik"

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Kurt Linnert

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Abgang eines Altgedienten: Kurt Linnert aus SPD ausgetreten

Die Entscheidung des ehrenamtlichen Ersten Stadtrat von Kelsterbach und Mitglied des Kreistag Groß-Gerau, reifte über einige Jahre. Worin seine Gründe für den Austritt liegen.

Von Harald Sapper (aus "https://www.main-spitze.de" vom 17. Juni 2025)

Kurt Linnert war über 40 Jahre Mitglied der SPD. Doch das Präteritum macht deutlich: Damit ist es nun vorbei. Denn der ehrenamtliche Erste Stadtrat von Kelsterbach, der auch seit drei Legislaturperioden dem Kreistag Groß-Gerau als Abgeordneter angehört, hat vor Kurzem seine langjährige politische Heimat verlassen. "Die Überlegung, aus der SPD auszutreten, ist in den letzten zwei, drei Jahren gereift, und am Ende haben unterschiedliche Gründe den Ausschlag für diesen Schritt gegeben", sagt Linnert im Gespräch mit dieser Redaktion.

Konkret ärgerte sich der 72-Jährige vor allem über das Handeln von Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz. "Er ist schuld am Ampel-Aus und den daraus resultierenden Neuwahlen, die für die SPD bekanntlich mit einem desolaten Ergebnis endeten", betont Linnert. "Das hätte nicht sein müssen." Mindestens genauso sehr wurmte den Mann, der seine Brötchen 41 Jahre lang bei der Kreissparkasse Groß-Gerau verdient hatte, dass die sozialdemokratischen Granden nichts gegen die finanzielle Misere der Kommunen tun. "Wir sind in Bund und Land an der Regierung beteiligt, aber für Städte und Gemeinden ändert sich einfach nichts zum Guten", moniert der gebürtige Allmendfelder.

Kein Vertrauensverhältnis mehr zu Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel

Doch auch auf dem lokalen Sektor wuchs Linnerts Frust über die bisherigen Parteifreunde. Vor allem zu Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel bestehe kein Vertrauensverhältnis mehr. "Ich schätze seine Arbeit sehr, denn er ist ein Macher, doch er braucht keinen Nebenmann, sondern setzt eher auf Alleingänge", macht der Erste Stadtrat der Untermain-Kommune damit deutlich, dass er in dieser Funktion nicht mehr wie gewünscht Akzente setzen könne. Das sei bei seiner ersten Amtszeit, als er von 2009 bis 2015 hauptamtlicher Kämmerer sowie Dezernent für Schulen, Kultur und Sport war, noch anders gewesen.

Gleichwohl wird Kurt Linnert, der vom langjährigen Kelsterbacher Bürgermeister Fritz Treutel 1984 zum Eintritt in die SPD bewegt worden war, sowohl sein Amt im Rathaus der 16.000-Einwohner-Stadt als auch sein Mandat im Kreistag bis zum Ende der Legislaturperiode im März 2026 weiter ausüben. Was danach kommt, weiß Linnert noch nicht. "Vielleicht mache ich in einer anderen Partei weiter", so der Ex-SPDler, der mit seinem Austritt "ein Zeichen setzen wollte".


Kreistag: Ex-SPD-Mann schließt sich der CDU-Fraktion an

Kelsterbachs Erster Stadtrat Kurt Linnert hat eine neue politische Heimat gefunden und behält sein Mandat im Kreistag Groß-Gerau. SPD wirft ihm deshalb "politischen Wortbruch" vor.

Von Harald Sapper (aus "https://www.main-spitze.de" vom 12. August 2025)

Paukenschlag im kommunalpolitischen Sommerloch: Kurt Linnert hat sich nach seinem im Juni publik gewordenen Austritt aus der SPD nunmehr der CDU angeschlossen. "Ich habe Mitte Juli den Antrag auf Mitgliedschaft gestellt", bestätigt Linnert im Gespräch mit dieser Redaktion und fügt hinzu: "Meine innere Überzeugung passt am ehesten zu dieser Partei."

Das habe er auch in Gesprächen mit Frank Wiegand, dem Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Kelsterbach, und Uwe Albert, dem dortigen Fraktionsvorsitzenden der Union, deutlich gemacht. "Danach wurde mein Antrag geprüft, und vor gut einer Woche habe ich die offizielle Bestätigung über meine Aufnahme in die CDU erhalten", sagt der ehrenamtliche Erste Stadtrat der Untermainkommune.

Auswirkungen auf Kreistagsausschüsse

Dieser Schritt bedeutet aber auch, dass Linnert, der mehr als 40 Jahre SPD-Mitglied war und für die "Sozis" seit drei Legislaturperioden im Kreistag Groß-Gerau als Abgeordneter fungiert, künftig der CDU-Fraktion angehören wird. Und das wiederum wird Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Ausschüsse haben. Denn weil sich zuvor schon Fritz Klink (ehemals FDP/FWG) den Christdemokraten angeschlossen hatte, verfügt die CDU nun durch Linnerts Wechsel wie die SPD über 20 Sitze.

"Gemäß des Spiegelbildlichkeitsgebots müssen Ausschüsse die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag proportional abbilden", bestätigt Angelica Taubel gegenüber der Redaktion. Was sich genau ändern wird, ist laut der Pressesprecherin der Kreisverwaltung aber noch offen: "Es ist eine Prüfung durch den Hessischen Landkreistag eingeleitet worden."

Fest steht indes schon jetzt, dass die SPD vom Schritt ihres ehemaligen Mitglieds wenig begeistert ist. In einem offenen Brief an Linnert moniert die Fraktionsvorsitzende Kerstin Geis, dass ihr bisheriger Mitstreiter "anders als in vorherigen Gesprächen geäußert" nun doch sein Mandat im Kreistag behalten wolle: "Du hast auf der Liste der SPD kandidiert und bist aufgrund der Stimmen von SPD-Wählern nachgerückt." Deshalb fordert Geis Linnert auf, "dein Mandat unverzüglich zurückzugeben".

Zwar räumt die Fraktionsvorsitzende ein, dass es "formal rechtlich möglich" sei, sein Mandat "nun für eine andere politische Richtung einzusetzen". Politisch sei es aber "ein Wortbruch gegenüber denjenigen Menschen, die dich in dieses Amt gewählt haben, und ein Verlust an politischer Glaubwürdigkeit". Selbige und Vertrauen schaffe man Geis zufolge nicht dadurch, "dass man den Wählerauftrag umkehrt, sondern nur durch Klarheit und Konsequenz". Und dazu gehört ihrer Meinung nach auch, "bei einem Parteiwechsel das Mandat zurückzugeben".

Nachrücker für Melanie Wegling

Linnert sieht den Sachverhalt anders. "Ich bin nicht nur von SPD-Leuten gewählt worden, sondern auch von Menschen, die mich in meiner langen Tätigkeit bei der Kreissparkasse Groß-Gerau kennen und schätzen gelernt haben", ist der 72-Jährige überzeugt, der von sich selbst sagt, in der SPD-Fraktion "nicht der Beliebteste gewesen zu sein, weil ich zu kritisch war". Daher sei er bei der Kommunalwahl 2021 auch nur für Platz 40 der SPD-Liste nominiert, aber auf Position 26 nach vorne gewählt worden. Den Sprung in den Kreistag hatte er als Nachrücker für die in den Bundestag eingezogene Melanie Wegling geschafft.

Ob ihm das bei der Kommunalwahl 2026 nochmals gelingt, steht zwar in den Sternen. Aber Kurt Linnert kündigt schon mal an: "Ich würde gerne im Kreistag und im Kelsterbacher Magistrat weitermachen."