Sie nennen sich die "Angstgegner", weil sie (noch)
Angst vor ihren jeweiligen Gegnern haben. Die Rede ist vom neuesten
(nicht jüngsten) Team des Rüsselsheimer RK, der Elternhockey-Mannschaft.
Wobei "neu" relativ zu sehen ist, denn bereits seit fast zwei Jahren
greifen die Damen und Herren regelmäßig zum Schläger.
Angesteckt wurden die Gründer der Mannschaft
von der Hockeybegeisterung ihrer Kinder. Der im fortgeschrittenen Alter
plötzlich aufgetauchte Bewegungswunsch („Man müsste eigentlich mal
wieder Sport treiben") führte dazu, dass sich zunächst eine Handvoll
Aktivisten zum Training am Sommerdamm traf. Darunter einige, die als
Jugendliche in grauer Hockey-Vorzeit, als Strafecken noch mit voller
Wucht unter die Latte gedonnert werden durften, den Schläger in der Hand
hatten. Unter ihrer Anleitung lernten die Neulinge zunächst einmal, dass
der Ball nur mit der flachen Seite des Krummstocks gespielt werden darf.
Nachdem dieser Grundsatz mühevoll verinnerlicht worden war, entdeckten
die Hockey-Eltern den Spaß an dieser Sportart. Und sie fanden
Gleichgesinnte: durch vereinsinterne Werbung und auch durch
Mund-zu-Mund-Propaganda. Mittlerweile gehören dem Team zwölf Spieler und
Spielerinnen an, weitere Interessenten sind beim Training stets
willkommen.
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Wollen (irgendwann einmal) ihrem Namen alle Ehren machen: die
"Angstgegner" des RRK
(hinten: Walter Isselhard, Slavko (Loisl) Glaser, Rolf Lange,
Marcel Dirlam, Bernd Senft, Thomas Babin; vorn: Andrea Isselhard,
Ursula Alt, Peter Kleinhenz, Stefanie Menges, Claudia Schlicht,
Hans-Jürgen Schlicht) |
Mit ihrer Mannschaft sind die Angstgegner nicht
allein. Rund 250 Teams umfasst der Bereich Freizeit-Hockey im Deutschen
Hockey-Bund (DHB), darunter so klangvolle Namen wie die
"Knoblauchschlenzer" aus Nürnberg, die "Neckarplattfüß'" aus Mannheim oder
"Äldernhoggey" aus Leipzig. Alle spielen nach den Regeln des DHB für
Elternhockey, und das bedeutet bei Kurzfeld- und Hallenspielen:
mindestens zwei Damen müssen immer auf dem Platz stehen.
Einmalig im DHB dürften die Rüsselsheimer
Angstgegner aber mit ihren Trikots sein, auf denen die Spitznamen der
Akteure prangen. Der Gitarre spielende Rechtsanwalt wird da wie Eric
Clapton zu "Slowhand", der aggressive Torhüter mit Vornamen Peter zu "Pit
Bull", der ständig über den Platz fliegende Verteidiger zu "Stuntman"
und der unter einem Knieschaden leidende Sportredakteur zu „Mr.
Meniskus". Und weil eine Stürmerin gerne während der Partie einen
Plausch mit dem gegnerischen Torhüter hält, während ihre
Mannschaftskollegen in der Abwehr Blut und Wasser schwitzen, wird sie "Mrs. Chatterbox" genannt.
Bei so viel Selbstironie störte es die
Angstgegner bisher wenig, dass sie bei Hallenturnieren zumeist den
Gegnern den Vortritt lassen mussten - wobei natürlich die Tatsache, dass
die Mannschaft nur jeden zweiten Montag in der Halle trainieren kann,
gerne als Entschuldigung für schlechte Leistungen genommen wird. Besser
läuft es auf dem Feld, wo man sich - beinahe profihaft - zweimal pro
Woche zum Training trifft. So war es auch kein Wunder, dass das erste
Spiel in der Geschichte der Mannschaft von Erfolg gekrönt war: Gegen die
"Obstler" aus Heidesheim gab es ein 6:4. Und erst nach dem Triumph
bemerkten die Rüsselsheimer, dass sie gar keinen Torhüter zwischen den
Pfosten hatten ...
Und vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem
die "Angstgegner" ihrem Namen wirklich alle Ehre machen.