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Wenn der "Stuntman" über den Platz fliegt

ein Bericht aus der "Main-Spitze" vom 18.01.2003 von Hans-Jürgen Schlicht

Beim RRK greifen auch die Eltern zum Hockeyschläger - "Angstgegner" mit viel Selbstironie

Sie nennen sich die "Angstgegner", weil sie (noch) Angst vor ihren jeweiligen Gegnern haben. Die Rede ist vom neuesten (nicht jüngsten) Team des Rüsselsheimer RK, der Elternhockey-Mannschaft. Wobei "neu" relativ zu sehen ist, denn bereits seit fast zwei Jahren greifen die Damen und Herren regelmäßig zum Schläger.

Angesteckt wurden die Gründer der Mannschaft von der Hockeybegeisterung ihrer Kinder. Der im fortgeschrittenen Alter plötzlich aufgetauchte Bewegungswunsch („Man müsste eigentlich mal wieder Sport treiben") führte dazu, dass sich zunächst eine Handvoll Aktivisten zum Training am Sommerdamm traf. Darunter einige, die als Jugendliche in grauer Hockey-Vorzeit, als Strafecken noch mit voller Wucht unter die Latte gedonnert werden durften, den Schläger in der Hand hatten. Unter ihrer Anleitung lernten die Neulinge zunächst einmal, dass der Ball nur mit der flachen Seite des Krummstocks gespielt werden darf. Nachdem dieser Grundsatz mühevoll verinnerlicht worden war, entdeckten die Hockey-Eltern den Spaß an dieser Sportart. Und sie fanden Gleichgesinnte: durch vereinsinterne Werbung und auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Mittlerweile gehören dem Team zwölf Spieler und Spielerinnen an, weitere Interessenten sind beim Training stets willkommen.

Wollen (irgendwann einmal) ihrem Namen alle Ehren machen: die "Angstgegner" des RRK (hinten: Walter Isselhard, Slavko (Loisl) Glaser, Rolf Lange, Marcel Dirlam, Bernd Senft, Thomas Babin; vorn: Andrea Isselhard, Ursula Alt, Peter Kleinhenz, Stefanie Menges, Claudia Schlicht, Hans-Jürgen Schlicht)

Mit ihrer Mannschaft sind die Angstgegner nicht allein. Rund 250 Teams umfasst der Bereich Freizeit-Hockey im Deutschen Hockey-Bund (DHB), darunter so klangvolle Namen wie die "Knoblauchschlenzer" aus Nürnberg, die "Neckarplattfüß'" aus Mannheim oder "Äldernhoggey" aus Leipzig. Alle spielen nach den Regeln des DHB für Elternhockey, und das bedeutet bei Kurzfeld- und Hallenspielen: mindestens zwei Damen müssen immer auf dem Platz stehen.

Einmalig im DHB dürften die Rüsselsheimer Angstgegner aber mit ihren Trikots sein, auf denen die Spitznamen der Akteure prangen. Der Gitarre spielende Rechtsanwalt wird da wie Eric Clapton zu "Slowhand", der aggressive Torhüter mit Vornamen Peter zu "Pit Bull", der ständig über den Platz fliegende Verteidiger zu "Stuntman" und der unter einem Knieschaden leidende Sportredakteur zu „Mr. Meniskus". Und weil eine Stürmerin gerne während der Partie einen Plausch mit dem gegnerischen Torhüter hält, während ihre Mannschaftskollegen in der Abwehr Blut und Wasser schwitzen, wird sie "Mrs. Chatterbox" genannt.

Bei so viel Selbstironie störte es die Angstgegner bisher wenig, dass sie bei Hallenturnieren zumeist den Gegnern den Vortritt lassen mussten - wobei natürlich die Tatsache, dass die Mannschaft nur jeden zweiten Montag in der Halle trainieren kann, gerne als Entschuldigung für schlechte Leistungen genommen wird. Besser läuft es auf dem Feld, wo man sich - beinahe profihaft - zweimal pro Woche zum Training trifft. So war es auch kein Wunder, dass das erste Spiel in der Geschichte der Mannschaft von Erfolg gekrönt war: Gegen die "Obstler" aus Heidesheim gab es ein 6:4. Und  erst nach dem Triumph bemerkten die Rüsselsheimer, dass sie gar keinen Torhüter zwischen den Pfosten hatten ...

Und vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem die "Angstgegner" ihrem Namen wirklich alle Ehre machen.