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Geschichte des Rüsselsheimer Ruder-Klubs 08 (RRK)
von 1942 bis heute

1965

Am 1. Januar 1965 gehören 383 Mitglieder dem RRK an. Die Generalversammlung am 8. Januar, die von 81 Mitgliedern besucht ist, steht im Zeichen einer lebhaften Diskussion um den Bootshaus-Neubau. Der Vorstand wird schließlich beauftragt, zunächst die im Maindamm liegende Ferngas-Leitung verlegen zu lassen. Ein endgültiger Beschluss über das Bauvorhaben wird noch nicht gefasst. Richard Trapp tritt, nachdem er 26 Jahre dem Verein als Kassierer und Schatzmeister gedient hat, zurück. Als neuer Vorstand werden Günter Schmitt als 1. Vorsitzender, Josef Saar als 2. Vorsitzender und Hans Eisen als Schatzmeister gewählt.

"Damenriege" des RRK-Vorstands bei einer festlichen Veranstaltung im März 1965: Margot Müller, Anneliese Vorfalt, Anna Pöppel, Elisabeth Müller, Tochter Eisen, Hedwig Traiser, Gretel Eisen, Tochter Eisen

Nach einigen schönen Erfolgen des RRK-Herrenteams bei Hallenturnieren muss sich die Mannschaft mit Peter Kraus, Hans Hermann, Bodo Schäfer, Walter Leichtweiß, Rainer Seifert und Fritz Staubach, aber immer noch ohne den verletzten Nationalspieler Fritz Schmidt, bei der Endrunde der Hessischen Meisterschaft in der Frankfurter Sporthalle Süd mit dem dritten Platz hinter dem SC 1880 Frankfurt und dem SC Sachsenhausen-Forsthausstraße begnügen, so dass höhere Ziele, die Verteidigung des Süddeutschen Meistertitels aus dem Vorjahr, gestrichen werden müssen. Auch eine RRK-Damenmannschaft spielt in der Halle in der Landesliga, kann jedoch in den Turnierspielen kein Tor erzielen und belegt am Ende den letzten Tabellenplatz. Die weibliche Jugend wird nach hartem Kampf im Endspiel um die Hessenmeisterschaft gegen Eintracht Wiesbaden in der Verlängerung mit 1:2 besiegt und erringt damit den Titel eines hessischen Vizemeisters.

Höhepunkt der Faschingstage im Bootshaus ist der Maskenball "Cap Carneval: Neunzehnhundertelfundneunzig" und der nicht zu überbietende Lumpenball.

Trotz schlechten Wetters und dadurch erforderlich werdender verkürzter Spielzeiten wird das Internationale Oster-Hockeyturnier am Sommerdamm mit Gästen aus England und der Tschechoslowakei ein sportlicher Erfolg. Zwei teilnehmende Herrenmannschaften des RRK bleiben ungeschlagen und auch die RRK-Damenmannschaft mit Inge Schäfer, Ingrid Weidmann, Ellen Weidmann, Hilde Balven, Gisela Georg, Ingrid Zimmermann, Hella Britz, Steffie Koch, Ursula Kraus, Marga Balter und Ursula Ims zeigt ansprechende Leistungen.

Im Feldhockey erringen die Herren hinter dem SC 1880 Frankfurt die Hessische Vizemeisterschaft, die allerdings 1965 nicht zur Teilnahme an der Endrunde der Deutschen Meisterschaft berechtigt. Die Jugend wird zum 7. Mal in Folge Hessenmeister.

Bei der Hauptversammlung der Hockeyabteilung lehnt der seitherige Abteilungsleiter Alfred Rausch eine Wiederwahl ab, so dass die Leitung der Hockeyabteilung auf Wolfgang Balven übergeht. Weiterhin besucht die Herrenmannschaft das Hermann-Löns-Turnier in Hannover sowie ein Turnier in Brüssel; Damen und Herren reisen im Oktober mit 45 Personen nach Prag und erwidern damit den Besuch der tschechischen Freunde beim Osterturnier.

Hessenmeister 1965 im Feldhockey, die A-Jugend des RRK
(hinten: Jugendleiter Fritz Schneider, Leander Schäfer, Herbert Schäfer, Michael Emig, Wolfgang Knoll, Dieter Dick, Uwe Seibert, Lothar Hartmann, Martin Müller; vorn: Peter Kowalski, Karl-Heinz Nuffer, Eberhard Jirzik, Claus Birkicht)

Trainingsverpflichtung der RRK-Ruderer 1965:
Adolf Theiner, Klaus Dünzinger, Walter Eberle, Rudi Reitz, Lutz Dörsam, Dieter Lang, Wolf von zur Mühlen, Trainer Ulrich Hintze, Werner Alt, Roland von zur Mühlen, Dieter Lenz, Wolfgang Treusch, Helmut Schumacher, Knud Adam, Andreas Hartmann (verdeckt), Rudolf Müller, Helmut Alt, Klaus Köppen, 1. Vorsitzender Günter Schmitt

Nachdem Dr. Alfred Buch mit Ablauf der Rudersaison 1964 sein Traineramt bei den Ruderern niedergelegt hat, übernimmt zu Beginn des Jahres Ulrich Hintze, der schon früher die RRK-Ruderer betreut hat, das Training. Nach der Trainingsverpflichtung Mitte April, der sich 21 Ruderer unterziehen, folgen wochenlange Regenperioden und entsprechendes Hochwasser sogar noch im Juni. Darunter leidet das Training auf dem Main stark, so dass zeitweise zum Training auf die "Kasteler Lache" ausgewichen werden muss.

Rennpause der Ruderer auf der Hanauer Regatta 1965: Renate Vorfalt,
Walter Eberle, Ellen Eberle, Wilfried Hoffmann und Wolf von zur Mühlen

RRK-Ruderfans auf der Gießener Regatta 1965: Hedwig Traiser, Anna Pöppel,
Hans Müller, Friedrich Traiser (hinten) und Anneliese Vorfalt

Der gebildete Seniorachter hat es, da fast ausschließlich in der Ersten Seniorklasse gestartet wird, fast immer mit aus Ruderern mehrerer Vereine gebildeten Renngemeinschaften zu tun; die Zahl der Siege bleibt daher gering. Bei Starts in Flörsheim (1 Sieg), Gießen, Mannheim, Kassel (1), Hanau und Offenbach (2) werden gute Leistungen gezeigt, aber nur wenig Siege nach Hause gefahren. Die Ruderleitung versucht daher, im Hinblick auf das Deutsche Meisterschaftsrudern einen Achter in Renngemeinschaft mit der Frankfurter RG Germania zusammenzusetzen, der auch zwei Siege, einen in Schweinfurt und einen in Hannover, errudert; jedoch beim Deutschen Meisterschaftsrudern auf dem Mannheimer Mühlauhafen wird vom RRK der "Vierer-mit" und der "Zweier-mit" belegt. Lassen wir die "Main-Spitze" berichten:

RRK-Seniorvierer 1965 in Offenbach-Bürgel, wo beide Seniorvierer m. Stm. gewonnen werden. Einige Wochen später gewinnt die Mannschaft beim Deutschen Meisterschaftsrudern die Bronzemedaille: Wilfried Hoffmann, Andreas Hartmann, Werner Alt, Dieter Lang, Stm. Reinhard Scholta (nicht im Bild)

Nach zehn Jahren Aufstieg aus der Versenkung

Die beiden dritten Plätze trotz nicht idealen Bootsmaterials hervorragend

Mit den zwei am vergangenen Wochenende beim 52. Deutschen Meisterschaftsrudern errungenen dritten Plätzen stieß der RRK nach über zehnjähriger Pause in diesem Jahr zur Ruderspitze vor und knüpfte damit zum ersten Male wieder erfolgreich an die Leistungen der Rudergemeinschaft Flörsheim-Rüsselsheim an. Diese Erfolge sind um so erstaunlicher, da sie trotz des zu erstklassigen Leistungen nötigen Bootsmaterials, das beim RRK weitgehend fehlt, errungen wurden. So ruderte der Zweier erst seit einer Woche in einem geliehenen Boot zusammen und sorgte damit im Rennen der Zweier mit Stm. mit seinem dritten Platz für die Überraschung.

Vorläufe und Zwischenläufe der Meisterschaften, die nach den Regeln der FISA (Internationaler Ruder-Verband) bereits am Samstag ausgetragen wurden, brachten bei böigen Winden und starkem Wellengang bereits einige Überraschungen. Durch Vorlaufsiege brachten sich die RGM Berlin-Spandau und der Schweinfurter RC Franken im Vierer mit Stm. sofort in den Endlauf. Alle restlichen Boote mussten in die Zwischenläufe, aus denen sich dann noch der Frankfurter RC, der Ratzeburger RC, der Ludwigshafener RV und der RRK für den Endlauf qualifizierten. Da Vor- und Zwischenläufe auch im Zweier mit Stm. erforderlich waren, hatten es Lang/Alt vom RRK, die als einziges Zweierpaar auch den Vierer bestritten, wegen der kurzen Rennpause nicht leicht, den Endlauf zu erreichen. In einem sehr harten Zwischenlauf konnten sie jedoch die RGM Berlin-Spandau aus dem Rennen werfen und erreichten damit zusammen mit dem DRC Hannover, dem RuHC Rheine, dem Münchener RuSV Bayern, dem RC Germania Düsseldorf und der Bamberger RG den Endlauf.

Zu den Endläufen am Sonntagnachmittag waren die Wasserbedingungen glücklicherweise so, dass reguläre Rennverläufe garantiert waren. Im Vierer mit Stm. ließ die RGM Berlin-Spandau in keiner Phase des Rennens einen Zweifel an ihrem Sieg aufkommen. Um den 2. Platz und damit die Vizemeisterschaft gab es jedoch einen erbitterten Streckenkampf, der schließlich zu Gunsten von Schweinfurt endete. Dritter wurde der RRK mit Wilfried Hoffmann, Andreas Hartmann, Werner Alt, Dieter Lang und Stm. Reinhard Scholta vor Ludwigshafen, Frankfurt und Ratzeburg.

Favorisiert für die Meisterschaft im Zweier-mit war der DRC Hannover, der dieses Rennen dann auch für sich entschied, jedoch weniger klar als erwartet. Hinter diesem Zweier gab es auf der ganzen Strecke harte Positionskämpfe, die schließlich Germania Düsseldorf die Vizemeisterschaft und dem RRK mit Dieter Lang, Werner Alt und Stm. Reinhard Scholta den 3. Platz einbrachten. Für den Rüsselsheimer Zweier ist diese Placierung nach nur einwöchigem Training in dieser Bootsgattung hervorragend, so dass man im nächsten Jahr von diesem Paar noch einiges erwarten kann.

Erfolgreichste Ruderer des Jahres nach der Zahl der Siege sind Werner Alt und Dieter Lang mit je sechs Regattaerfolgen.

Renngemeinschaftsachter Frankfurter RG Germania / Rüsselsheimer Ruder-Klub nach dem Sieg in Schweinfurt im Ersten Seniorachter 1965 (Peter Karres, Wilfried Hoffmann, Andreas Hartmann, Dieter Lang, Werner Alt, Dieter Westphal, Achim Schönberg, Heit Lückenga, Stm. Götz Krohn)

RRK-Klubmeister im Einer 1962, 1963 und nun auch 1965: Wilfried Hoffmann

Abgeschlossen wird die Rudersaison mit dem Abrudern in Form einer internen Regatta. Zur Klubmeisterschaft im Einer haben sechs Ruderer gemeldet, von denen im Finale Wilfried Hoffmann vor Ulrich Vorfalt nach 1962 und 1963 zum dritten Mal Klubmeister im Einer wird. Höhepunkt der Rennen ist am Schluss der Regatta das Rennen der Achter, bei dem drei Boote um den Sieg kämpfen.

Nach einer Mitgliederversammlung am 27. März 1965, die von nur 26 Mitgliedern besucht ist, jedoch in Sachen Bootshaus-Neubau zur Wahl eines Bau- und eines Finanzausschusses führt, wird am 3. September eine Mitgliederversammlung einberufen, die über den geplanten Bootshaus-Neubau entscheiden soll. Nach Darstellung des Vorhabens und auch der Finanzierung, die bei einer Bausumme von etwa 0,5 Mio. DM eine Eigenleistung der Mitglieder in Höhe von 25.000 DM durch Zahlung des doppelten Mitgliedsbeitrages auf zwei Jahre vorsieht, durch den Vorstand, entscheidet die Mitgliederversammlung bei 53 Ja- und 6 Nein-Stimmen, das Vorhaben zu verwirklichen. Die Finanzierung ist gesichert durch Zuschüsse des Landes Hessen (75.000 DM aus dem Rot-Weißen Sportförderungsprogramm), der Stadt Rüsselsheim (50.000 DM) und des Kreises Groß-Gerau, Eigenleistungen der Mitglieder sowie aufzunehmende Hypothekendarlehen.

Am 1. Oktober 1965 übernimmt die Familie Bognar die Bewirtschaftung der Bootshaus-Gaststätte, die mit ungarischen Spezialitäten und auch deutschen Gerichten die verwöhnten Gaumen befriedigt. 

RRK-Bootshaus vor dem geplanten Umbau Mitte der 60er Jahre

Die Feldsaison im Hockey 1965/66 läuft für den RRK in der Oberliga gut an. Nach drei Siegen in Folge trifft der RRK im Spitzenspiel am 3. Oktober auf Sachsenhausen und hat mit 1:2 das Nachsehen. Wir zitieren Hans Eisen, was er in den "Klub-Nachrichten" des RRK zur Mannschaft zu sagen hat:

"Zur Mannschaftskritik bliebe zu sagen: Kraus im Tor verlässlich. Aber so ein böses Foul sollte einfach nicht passieren. Schäfer als Verteidiger, wie in den letzten Spielen überhaupt, hervorragend. Stocksicher, harter Abschlag (warum man mit so etwas nicht auch eine Strafecke verwandeln kann, wird mir unbegreiflich bleiben müssen). Hermann auch zufrieden stellend. Ob er nicht noch versuchen sollte, in der Hüfte etwas wendiger zu werden? Moderne Stürmer sind enorm schnell. Die beiden Seitenläufer Köhler und Teerling gut in Abwehr und Aufbau. Die jetzige Lösung des Mittelläuferpostens sollte nicht endgültig sein. Einmal fehlt die Durchschlagkraft von Staubach vorn im Sturm. Zum anderen sollte man nicht auf seine alten Tage (Entschuldigung Fritz, aber es ist gut gemeint) versuchen, aus einem Stürmer einen Mittelläufer zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass nach einigem Anlauf Liebig in seine Rolle schon hineingewachsen wäre. So, wie das Spiel gegen Sachsenhausen jetzt lief, sollte man nicht davon sprechen, dass Fritz Schröder auch nur annähernd gleichwertig ersetzt wäre. Beide Außenstürmer (Leichtweiß und Jirzik) von ihren Halbs vernachlässigt, viel zu wenig ins Spiel gebracht. Und wenn das dann wirklich schon einmal geschehen war, sind beide technisch am Ball noch nicht perfekt genug. Rein von der Technik her können die drei Innenstürmer (Schmidt, Müller und Seifert) alles, was es im Hockey zu lernen gibt. Was ihnen fehlt, ist eine ordnende Hand, um aus ihnen eine Einheit zu machen (das könnte unter Umständen sogar der Mittelläufer übernehmen). So wurschtelt zu oft jeder für sich allein, umdribbelte mit wahrer Meisterschaft drei Mann, um dann am vierten, ohne jedes positive Ergebnis für die eigene Mannschaft, hängen zu bleiben. Schade, sehr schade, denn ich glaube, dass es nicht viele Klubs in Deutschland gibt, die von sich sagen können, drei so hervorragende Techniker im Innensturm stehen zu haben. Und noch dazu so jung an Jahren. Martin Müller halte ich seine Jugend zugute. Aber mein lieber Martin, Jugend allein ist keine Entschuldigung. Auch mit 17 kann man schon zumindest etwas auf die Zähne beißen. Zwischen einem Schülerspiel und einer Meisterschaftsbegegnung ist ein gewisser Unterschied!

Und noch etwas sei mir als altem Aktiven zum Schluss gestattet zu erwähnen: An was im einzelnen wohl mag es liegen, dass das Schießen einer Strafecke (ich spreche ja noch nicht einmal vom Tore schießen) so zum Problem geworden ist? Fast mutet es mich an wie ein Märchen, dass wir früher ganze Wettkampfreisen erfolgreich bestritten und die geschossenen Tore zu 90 % Strafecken waren. Die Plätze waren früher nicht ebener, als sie es heute sind. Und es durften noch elf Mann verteidigen! Ich wage die Prophezeiung: In dem Moment, wo Ihr es erst einmal versteht, von vier verhängten Strafecken drei aufs Tor zu schießen, und davon eine ins Tor, seid lhr in Hessen Meister! Wäre das nicht ein lohnendes Ziel?"

Anfang Oktober stirbt der Ehrenvorsitzende und Gründer des RRK, Joseph Grass. Von 1910 bis 1936 Schriftführer, anschließend 2. Vorsitzender und von 1946 bis 1948 1. Vorsitzender hat er dem RRK in seiner Schlichtheit und Treue, die ihn allseits beliebt machte, außerordentlich viel, fast 40 Jahre lang einen Großteil seiner Zeit gewidmet.

Herbstball im Hotel Adler und Silvesterball im Bootshaus sind von der Besucherzahl her gesehen ein glatter Reinfall; deprimierend für den Vorstand, wenn ein großes Bauvorhaben vor der Tür steht. Dagegen sind ein Funzelabend und das Hasenessen, bei dem Rüdiger "Pepi" Weidmann den erwürfelten Hasen noch nachts vom Baum holen muss, gut besucht.

Bei der Sportlerehrung der Stadt Rüsselsheim werden fünfzehn jugendliche Hockeyspieler für die Erringung der Hessenmeisterschaft und fünf Ruderer für ihre beiden dritten Plätze beim Deutschen Meisterschaftsrudern im "Vierer-mit"  und "Zweier-mit" geehrt.

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