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Geschichte
des Rudervereins Rüsselsheim (RVR) |
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1939 |
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Im Januar wird es schon wieder lebendig bei den Ruderern. Fritz Brumme holt sich seine Männer zusammen und rüstet für die kommende Saison. Die Devise lautet: "Deutsche Meisterschaft im Achter". Georg von Opel plant außerdem Starts im Einer, von seinem Doppelzweier-Partner des Vorjahres, "Bubi" Willi Kaidel, hat er sich getrennt, da dieser in der Skullerzelle Berlin unter dem Engländer Cordery trainiert, während Georg von Opel, wie vor 1938, von Eric Phelps betreut wird. Einen Maskenball der Superlative veranstaltet der Elferrat der Renngemeinschaft RVR/RGUR am 29. Januar 1939 in allen Räumen des "Rüsselsheimer Hofs", wobei die Ruderer der Rüsselsheimer Sportgemeinde zeigen wollen, dass sie auf dem Parkett genau so "vorn dran" sind wie auf der "Strecke". Und auch der Kappenabend am 11. Februar im RVR-Bootshaus ist ein voller Erfolg.
Anfangs April treffen sich die Rüsselsheimer Ruderer am RVR-Bootshaus zum Anrudern, um gemeinsam das Ruderjahr zu eröffnen. Nach Anhörung der Rede des Reichssportführers und anschließender Flaggenhissung vereinigen sich zahlreiche Boote bei einer imposanten Auffahrt von Flörsheim vorbei am RVR-Bootshaus zum Undine-Bootshaus. Am Abend findet dann in feierlichem Rahmen im RVR-Bootshaus die Verpflichtung von dreizehn Ruderern der Renngemeinschaft, neun Senioren und vier Jungmannen, durch Trainer Fritz Brumme statt. Verpflichtet durch Unterschrift und Handschlag werden Hans Mietzschke, Wilhelm Wolf, Ernst Müller, Karl Schömbs, Adam Breidert, Oskar Fischer, Franz Lieb, Georg Boller, Heinz Hummel, Walter Knauff, Erich Warbach, Edgar Klein und Georg Bastian. Auch Georg von Opel wird ungeachtet der Tatsache, dass er am 28. April 1939 die bekannte Turnierreiterin Irmgard von Opel heiratet, ins Rudertraining gehen. Die Hockeyjugend mit Wagner/Barth im Tor, in der Verteidigung mit Kraft und Schnur, im Lauf mit Rodenheber, Antweiler und Vatter sowie im Sturm mit Doré, Hartmann, Guckes, Wolf und Bopp nimmt am Wiesbadener Osterturnier mit Erfolg, d.h. man sammelt Erfahrungen, teil. Bei diesem bestens besetzten Jugend-Hockeyturnier trifft die RVR-Jugend am Karfreitag auf die TuS Pasing und am Ostersamstag auf den HC Halle, bleibt aber gegen diese beiden Spitzenmannschaften ohne Erfolg.
Schöne Erfolge auf den ersten Regatten berechtigen zu großen Hoffnungen, zumal der Rennbetrieb wieder gemeinsam mit der RG Undine durchgeführt wird. Nachdem der Rüsselsheimer Achter auf der ersten Regatta in Heidelberg sich hinter Ludwigshafen geschlagen geben muss, kann er auf der zweiten Regatta des Jahres am 10. und 11. Juni 1939, der Badischen Grenzland-Regatta in Karlsruhe, mit Heinz Hummel, Franz Lieb, Karl Schömbs, Georg Boller, Adam Breidert, Ernst Müller, Eric Phelps, Oskar Fischer und Stm. Philipp Wagner schon seine Kampfstärke zeigen. Wir lassen Paul Elschner im "Wassersport" berichten:
Es folgt die Regatta in Mannheim, wo im Zweiten Achter wieder einmal Ludwigshafen vor Rüsselsheim und dem Mainzer RV siegen kann, am zweiten Tag siegt im ersten Achter die Renngem. Wannsee/Friesen Berlin, die Renngem. Rüsselsheim wird wieder nur zweites Boot. Die Höhepunkte der Frankfurter Regatta eine Woche später sind die beiden großen Achterrennen, denn es geht hier zwischen dem Ersten und dem Zweiten jeweils um Zehntelsekunden. Die erbitterten Begegnungen mit der Renngem. Rüsselsheim als Sieger im Rennen um den neugestifteten Wanderpreis der "Stadt des deutschen Handwerks Frankfurt" und mit Germania Frankfurt, die das Schlussrennen um den "Großen Germania-Preis" gewinnt, zeigen, dass diese beiden mainischen Achter gleichwertig sind. Der Rüsselsheimer Achter startet hier in der Besetzung mit Heinz Hummel (RVR), Franz Lieb (RVR), Karl Schömbs (RVR), Georg Boller (RVR), Adam Breidert (RGUR), Oskar Fischer (RVR), Georg von Opel (RVR), Hans Mietzschke (RVR) und Stm. Philipp Wagner (RGUR), also mit Georg von Opel, so dass dieser vorerst auf Einerstarts verzichtet.
Das nächste Aufeinandertreffen der beiden Seniorachter vom Main erfolgt am 9. Juli auf der Hanauer Regatta im Großen Achter, das nach heftigem Streckenkampf, bei dem Rüsselsheim bei 1.000 Metern schon mit einer dreiviertel Länge führt, mit einem knappen Luftkasten-Sieg (6/10 sec) der auf den letzten 50 Metern wirkungsvoll spurtenden Rüsselsheimer endet. Dann folgt eine Woche später die Regatta in Bad Ems. Die Rüsselsheimer Renngemeinschaft siegt in neuer Besetzung mit Adam Breidert, Oskar Fischer, Georg von Opel, Hans Mietzschke und am Steuer Philipp Wagner im Zweiten Vierer und an beiden Tagen, mit dem wieder gesunden Ernst Müller für Franz Lieb im Boot, im Ersten Achter klar über den Achter des Mainzer RV.
In Anerkennung seiner Verdienste erhält Trainer Fritz Brumme durch das Fachamt des NS-Reichsbundes für Leibesübungen das Lehrsportabzeichen des NSRL, das nur in ganz seltenen Fällen an Amateurtrainer verliehen wird. Auf der Mainzer Regatta am 22. und 23 Juli 1939 startet Fritz Brumme mit seinem Achter samstags im Zweiten Achter und siegt überlegen gegen den Mainzer RV und den Limburger RC. Am Sonntag ist das Renngemeinschafts-Boot aus Rüsselsheim dann im Ersten Achter, dem Jubiläums-Achter, dabei. Nach den Vorrennen sind fünf Achtermannschaften am Start: Amicitia Mannheim, die Renngem. "Baldeneysee Essen", die Frankfurter RG Germania , die Ungarn aus Budapest und die Renngem. RVR/RGUR. Wir zitieren die "Mainzer Presse" zu diesem Rennen:
Eine Woche später, vierzehn Tage vor dem Deutschen Meisterschaftsrudern in Hannover, startet der Rüsselsheimer Achter noch auf der großen internationalen Wedau-Regatta in Duisburg. Im "Großdeutschland-Achter" trifft Rüsselsheim auf Amicitia Mannheim und verliert mit einer Bootslänge. Allerdings muss der Rüsselsheimer Achter ein fremdes Boot benutzen, in welchem sich die Mannschaft absolut nicht wohl fühlt. Die Achtermannschaft ist in bester Verfassung und gilt in sportlichen Kreisen als bestes Team im Gau Süd-West. Sechs Achtersiege konnten gegen stärkste Konkurrenz errudert werden. Bereits am Sonntag vor dem Großereignis auf dem Maschsee kommt der Achter der Renngem. RVR/RGUR im Bootshaus des Hannoverschen RC an, so dass die "Niedersächsische Tageszeitung" darüber berichtet:
Im ersten Vorlauf treffen der Mannheimer RV Amicitia, die Renngem. "Baldeneysee Essen" und die Renngem. RV Rüsselsheim/RG Undine Rüsselsheim aufeinander. Nachdem bis zur 1.000-Meter-Marke "Baldeneysee Essen" knapp führt, übernimmt die Amicitia mit einem prächtigen Spurt und nach anschließendem harten Streckenkampf die Führung und lässt sich diese nicht mehr nehmen. "Baldeneysee Essen" geht mit 4,2 Sekunden Rückstand als Zweiter durchs Ziel, weitere 3,2 Sekunden dahinter die Renngem. Rüsselsheim. Ein enttäuschendes Ergebnis für die Mannschaft der Renngem. RVR/RGUR mit Heinz Hummel, Ernst Müller (RGUR), Karl Schömbs, Georg Boller, Adam Breidert (RGUR), Oskar Fischer, Georg von Opel, Hans Mietzschke und Stm. Richard Schöpf (Ludwigshafener RV), das erst einmal verdaut werden muss. Das Ziel war ein ganz anderes, man wollte unbedingt ins Finale der besten Vier! Deutscher Meister des Jahres 1939 in einem umkämpften Achterrennen wird die Renngem. "Baldeneysee Essen", besetzt mit sieben Ruderern von ETUF Essen und einem der Mülheimer RG, knapp (0,4 sec) vor der Renngem. RK am Wannsee Berlin / RV Friesen Berlin mit den beiden Zweiermeister-Paaren, diese gleichzeitig Meister im "Vierer-mit", im Boot und dem Mannheimer RV Amicitia, nur 0,9 sec hinter dem Siegerboot. Der Vereinsführer, Georg von Opel, hat außer seiner aktiven Rennrudertätigkeit auch finanzielle Beihilfe zum Besuch der großen Regatten geleistet. Kurz vor der Deutschen Meisterschaftsregatta macht er dem RVR noch einen neuen Achter zum Geschenk. Mit Beginn der Spielsaison 1939/40 wird im RVR auch wieder Hockey gespielt. Die 1. Herrenmannschaft spielt ihre Verbandsspiele in der Kreisklasse gegen Allianz Frankfurt, GfL Darmstadt, Forsthausstraße Frankfurt, IG Frankfurt, DHC Wiesbaden und TG Worms. Altbewährte Spieler wie Karl Vatter, Carl Doré, Richard Trapp, Rodenheber, Karl Saar, Karl Stromberger, Helmut Guckes, Curt Schrod, Robert Hartmann, Müller und Heinz Bopp vertreten wieder die Farben des RVR. Daneben spielt eine Jugendmannschaft um die Bannmeisterschaft. Im März verliert der RVR seinen langjährigen treuen Ruderkameraden Philipp Sittmann durch den Tod. Die Mitgliederzahl des RVR liegt am Ende des Jahres bei 166. |
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