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Über Mitglieder des
RRK (1992)
Tanja Dickenscheid |
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Tanja Dickenscheid
- immer bei den "Stärksten"
Von
Uli Meyer (aus "Deutsche Hockeyzeitung")
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Immer, wenn Bundestrainer Rüdiger Hänel im Anschluß an
Länderspiele in diesem ereignisreichen Jahr 1991 nach den stärksten Spielerinnen
in seinem Team gefragt wurde, konnte ein Name nicht fehlen: Tanja Dickenscheid.
Die 22jährige vom Rüsselsheimer RK ist zu einem unverzichtbaren Bestandteil der
deutschen Damen-Nationalmannschaft geworden. Im mittleren Mittelfeld hält sie
die Fäden zusammen, ohne dabei eine Spielmacherin im klassischen Sinne zu sein.
Als zuverlässige KE-Herausgeberin ist Tanja außerdem ein wichtiger Garant für
den vielfach entscheidenden Erfolg bei Strafecken.
Auch wenn Tanjas Stil längst nicht so elegant wirkt wie der ihrer Vereins- und
Mittelfeldkollegin Britta Becker, so besticht sie durch andere Qualitäten: hervorragende Defensivarbeit,
unglaubliches Laufpensum, kluge Vorstöße und ökonomische
Spielweise. Eigenschaften, die sie auch in Auckland bei der
Olympia-Qualifikation wieder zu einer der Wertvollsten im deutschen Team
machten. "Gerade im Halbfinale und im Endspiel hat
Tanja eine absolut tolle Ausnahmeleistung geboten", schwärmte Rüdiger Hänel.
Dabei wäre fast alles gar nicht so eitel Sonnenschein gewesen. Die
groß gewachsene junge Damen plagen seit geraumer Zeit Schmerzen. Mit einer
Knochenverschiebung im Bereich des Fußballens vermutlich Folge von allzu intensiver Kunstrasen- und Hallenhockey-Belastung -
kommt Tanja Dickenscheid seit rund einem Jahr nur noch mit Spritzen halbwegs
klar. Was hat sie mit Hilfe der Ärzte vom Olympia-Stützpunkt Frankfurt nicht schon alles versucht:
Spezialschuhe, Löcher in den Schuhen. Alles hat nichts gefruchtet. Die Schmerzen
blieben. "Zwei Tage vor der Champions Trophy war's so schlimm, daß ich wirklich
nicht wußte, ob ich in Berlin spielen kann", sagt Tanja.
Sie hat auf die Zähne gebissen. Und wird es auch in den nächsten Monaten tun.
Eine notwendige Operation, so hat man ihr gesagt, sei nicht unproblematisch und
könne zudem bis zur vollen Wiederherstellung eine lange Pause mit sich bringen.
Kein Thema im Augenblick. Alles, was die Teilnahme an den Olympischen Spielen
gefährdet, wird hinter das sportliche Topereignis 1992 zurückgestellt. Das gilt
für die leidige Fußgeschichte ebenso wie für das berufliche Weiterkommen. Das
Studium der Biologie (nebenbei auch zwei Jahre Sport) läuft derzeit noch auf
niedrigen Touren. "Ich bin im 6. Semester, aber eigentlich habe ich erst drei
davon wirklich voll absolviert", räumt Tanja ein, kündigt aber im gleichen
Atemzug ein Umdenken an: "Nach der Olympiade 1992 geht das Studium vor. Man kann
ja mit Hockey schließlich nicht seinen Lebensunterhalt verdienen."
In ihrem rheinhessischen Wohnort Gau-Algesheim (DHZ-Zitat aus dem Jahr 1985:
"Mit 7.200 Einwohnern die kleinste hockeyspielende Stadt Deutschlands") begann
Tanja Dickenscheids Karriere im zarten Alter von sechs Jahren. Sie erreichte als
Mädchen A mit dem 4. Platz bei der DM-Hallenendrunde 1984/85 den größten Erfolg
in der Geschichte des kleinen SV Gau-Algesheim. Im Frühjahr 1985 folgte dann
der Wechsel ("das ist mir nicht leicht gefallen") zum arrivierten
Rüsselsheimer RK.
In der Talentschmiede von Berti Rauth, der auch schon die Gau-Algesheimer
Mädchen trainierte, ging es für Tanja fortan steil bergauf: Deutsche
Jugendmeisterin, Bundesliga-Aufstieg, Deutsche Hallenmeisterin bei den Damen und schließlich auch Europacupsiegerin. Dies alles
mit dem RRK, und persönlich wuchs sie zur Jugend-Nationalspielerin, wurde Stammspielerin in der
Juniorinnen-Nationalmannschaft, mit der sie Titel bei der
Europameisterschaft 1988 und der Weltmeisterschaft 1989 holte.
Ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gab Tanja Dickenscheid im
März 1989 im Londoner Wembley-Stadion, wo ihr gleich ein blitzsauberes
"Traumtor" (bis heute sind es sieben Treffer in der Nationalelf
geworden)
gelang. Deutschland verlor dennoch mit 2:3 gegen England. Die Britinnen waren
auch Gegner bei einem weiteren besonderen Länderspiel für Tanja Dickenscheid.
Ihr Jubiläum (50. Einsatz) wurde mit einem 3:1-Sieg im Halbfinale von
Auckland versüßt.
Tanja Dickenscheid ist kein Zocker,
Hockey spielt sie für die Mannschaft
Von Volker Stumpe (aus "FAZ" vom
21.02.1992) RÜSSELSHEIM. Ihre größten Erfolge hat Tanja Dickenscheid im Hallenhockey
errungen. Mit dem Rüsselsheimer RK gewann sie 1990 und 1991 jeweils die deutsche
Hallenmeisterschaft, die am Wochenende in Braunschweig verteidigt werden soll.
Doch die 22 Jahre alte Biologiestudentin fühlt sich auf dem Feld viel wohler.
"Dort kann ich mehr rennen. Und ich bin eine absolute Läuferin." Diese
Leidenschaft macht sie für den RK so wertvoll. Tanja Dickenscheid läuft und
läuft und läuft - stets im Dienst der Mannschaft. Auch wenn sie vor lauter
Freude an der ständigen Bewegung "viel umsonst herumrennt". "Tanja hat eine
Bombenkondition, ist sehr laufstark und sehr einsatzfreudig", sagt Trainer Berti Rauth. Zudem sei sie eine Spielerin
"ohne Allüren, die im positiven Sinn
unauffällig" ist. Darin wird es wohl liegen, daß die Nationalspielerin weniger
im Mittelpunkt des Zuschauerinteresses steht als ihre Mannschaftskameradinnen
Eva Hagenbäumer oder Britta Becker. "Das ist mir eigentlich Wurscht. Ich leide
nicht darunter", sagt Tanja Dickenscheid.
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Tanja
Dickenscheid und die RRK-Damen 1992, Europas alte und neue "Nr. Eins" im
Hallenhockey nach einem 8:3 im Finale über Atletico Madrid (hinten:
Trainer Berti Rauth, Masseur Pit Bulajic, Britta Becker,
Katrin Schmidt, Sabine Lersch, Tanja Dickenscheid, Betreuer
Thomas Blivier; vorn: Ramona Münze, Marja Busch, Bianca
Weiß, Eva Hagenbäumer, Angela Müller, Anja Mück, Denise
Klecker) |
Sie weiß, daß das spektakulär anzuschauende Spiel von Britta Becker beim
Publikum besser ankommt. "Ihre gute Technik sieht toll aus. Wenn Britta zwei,
drei Gegnerinnen stehenläßt, dann gefällt das den Zuschauern natürlich." Doch
keine Spur von Neid. Die jungen Frauen des RRK ergänzen sich dank
unterschiedlicher Fähigkeiten und Begabungen bestens. "Eine Mannschaft kann", so
Tanja Dickenscheid, „nicht nur aus Britta Becker bestehen." Die erzielte als
erfolgreichste Bundesligaspielerin in dieser Hallensaison 55 Tore. Die meisten
ihrer Treffer jedoch fielen im Anschluß an Strafecken. Da vergißt beim Blick auf
die Statistik manch einer, daß Tanja Dickenscheid stets eine präzise Vorarbeit
geleistet hat. Tanja Dickenscheid schiebt die Kugel in das Feld hinein, Eva
Hagenbäumer stoppt, Britta Becker schießt.
Tanja Dickenscheid kennt ihre Aufgabe beim Rüsselsheimer RK und erfüllt sie
stets zuverlässig. "Ich bin eben nicht der Zocker, der seine Gegner umspielt."
Und das meint Berti Rauth vermutlich, wenn er eine ihrer Schwächen aufzählen
soll. "Tanja prägt unser Angriffsspiel. Aber sie ist noch nicht kaltschnäuzig
genug." Die Nationalspielerin kann noch mehr, wenn sie es sich nur zutrauen
würde. Doch sie versucht unter allen Umständen, "mannschaftsdienlich" zu
spielen, und überläßt das "Zocken" lieber ihren Mitspielerinnen. Der Trainer
habe sie schon oft darauf aufmerksam gemacht und ihr gesagt, daß sie mehr wagen
könne. "Wenn ich wollte, könnte ich wahrscheinlich die eine oder andere
ausspielen." Das aber vermeidet sie und gibt die Kugel lieber an eine besser
postierte Spielerin weiter. "Ich mache mir darüber zu viele Gedanken. Vielleicht
bin ich in diesen Momenten auch zu hibbelig."
In das System der Feld-Nationalmannschaft ist Tanja Dickenscheid seit 1989 fest
eingeplant. Dort spielt sie im mittleren Mittelfeld und übernimmt dank ihrer
beachtlichen Kondition "Deckungsarbeit und viel Laufarbeit". Ihr Studium
betreibt die Hockeyspielerin derzeit nur "nebenbei". Sport und Ausbildung lassen
sich nicht mehr vereinbaren. Im Hinblick auf das olympische Hockeyturnier in
Barcelona mußte sie sich einen Freiraum schaffen und hat ein Urlaubssemester
beantragt. Im nächsten Frühjahr will sie unbedingt die Prüfungen zum Vordiplom
ablegen. Noch gibt Tanja Dickenscheid dem Hockey den Vorzug. Das soll sich
ändern. "Ich will nicht mit vierzig noch studieren. Vielleicht spiele ich nach
Barcelona Hockey nebenher."
Doch vor der olympischen Herausforderung in Spanien steht die
"ganz, ganz
schwere" Endrunde in Braunschweig. Am Samstag spielen die Rüsselsheimerinnen im
Halbfinale gegen Klipper Hamburg. Die Norddeutschen hatten sich überraschend für
die Endrunde qualifiziert und sind dem RRK daher weitgehend unbekannt. Mit Hilfe
von Videoaufnahmen haben sich die Rüsselsheimerinnen auf die Spielweise der
Hamburgerinnen eingestellt. "Die rotieren viel und wechseln oft die Positionen.
Aber sie sind zu packen", sagt Tanja Dickenscheid. Im zweiten Halbfinale stehen
sich der RTHC Leverkusen und der Berliner HC gegenüber. Im vergangenen Jahr
gewannen die Rüsselsheimerinnen das Endspiel gegen Leverkusen 7:3. Doch die
Mannschaft von Bundestrainer Rüdiger Hänel hat sich verstärkt. Nachdem Simone
Thomaschinski mit Eintracht Frankfurt die deutsche Meisterschaft auf dem Feld
gewonnen hatte, schloß sie sich dem RTHC Leverkusen an.
Sorgen macht sich Berti Rauth auch über den Hallenboden in Braunschweig und über
den Hockeyschläger von Britta Becker. Der Boden sei "glatt wie eine Eisfläche.
Es ist eigentlich eine Farce, dort eine Endrunde zu spielen. Vieles wird vom
Zufall abhängen". Zudem ist das Arbeitsgerät seiner Nationalspielerin in die
Brüche gegangen.
Britta Becker hat sich an ein höchst ungewöhnliches, im Handel nicht mehr
erhältliches Modell gewöhnt. In einer Schreinerei hat Rauth einen gängigen
Schläger umbauen lassen und hofft, daß die erfolgreiche Torschützin auch damit
treffen wird.
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