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Über Mitglieder des RRK (1972)   

Michael Martin

Spektakulärer Zugang beim RRK

"Mike" Martin verläßt den SC 80

 

jo. - Es entbehrte nicht der Pikanterie. Während am Sonntagmorgen der Rüsselsheimer RK an der Adickesallee seinen Erzrivalen SC Frankfurt 80 mit 3:1 „auseinandernahm", stand im modischen Mantel ein Mann an der Eckfahne, dessen Name mit den großen Europacuperfolgen des SC 80 untrennbar verbunden ist, den aber zu diesem Zeitpunkt bereits nichts mehr mit seinem früheren Verein verband, da er ins ehemals feindliche Lager übergewechselt war: Hans Michael (Mike) Martin, genannt der „Siebenmetertöter" hatte einen Tag zuvor das Anmeldeformular beim RRK unterschrieben, bei dem Klub, dem er im Mai dieses Jahres mit seinen glänzenden Leistungen zwischen den Pfosten den Weg ins greifbar nahe Europapokal-Finale verbaut hatte.

„Mitte der vergangenen Woche kam Martin zu mir und fragte, ob er nicht bei uns spielen könne", erklärte RRK-Abteilungsleiter Hans Eisen die etwas verworrene und auch für die Spieler um Fritz Schmidt überraschende Situation. Da zur Zeit noch unbestimmt ist, wann Peter Kraus nach seiner Wirbelsäulenoperation wieder die Beinschützer anziehen kann, und die Nummer 2, Karl-Heinz Nuffer, noch immer trotzig abseits steht, nahm der RRK das Angebot gern an, da man mit der ausgezeichnet eingeschlagenen „Notlösung" Dr. Randolph Renker nur über einen Torhüter verfügt. „Ein Vabanquespiel, bei dem wir bisher unwahrscheinlich Glück hatten, denn wenn sich Dr. Renker einmal verletzt hätte, hätten wir das Tor zunageln müssen", schildert Hans Eisen die Lage.

Der 28jährige kam also gerade rechtzeitig, um die gefährliche Lücke beim RRK auszufüllen. Der Frankfurter hatte eigentlich schon mit dem Gedanken gespielt, den Schläger an den Nagel zu hängen, nachdem er beim SC 80 unmißverständlich erklärt hatte, nicht mehr für diesen Klub spielen zu wollen. Er schmollte, weil er nach seinen Glanzleistungen in den Europacupspielen im deutschen Finale, das der SC 80 mit 1:2 gegen Rot-Weiß Köln verloren hatte, nicht von Anfang an eingesetzt wurde und erst aufs Feld durfte, als die Partie schon verloren war. Nach seiner selbst auferlegten Zwangssperre juckte es den Textilingenieur nun wieder in den Fingern, und was lag näher, als sich den Rüsselsheimern anzuschließen, da ein Wechsel zum Lokalrivalen Sachsenhausen/Forsthausstraße für ihn nicht in Frage kam.

+„Eines haben wir wir „Mike" vor seinem Wechsel aber klipp und klar gesagt. Sobald Peter Kraus wieder gesund und einsatzfähig ist, steht er als die Nummer 1 im Tor", wischt Hans Eisen etwaige Bedenken hinweg, daß es in diesem Fall zu Rivalitäten innerhalb der Mannschaft kommen könnte. Martin muß, so schwer es ihm auch fallen wird, dann mit der Ersatzbank vorlieb nehmen, aber das wußte er, bevor er unterschrieb".

Was Beobachtern des Spiels zwischen dem SC 80 und dem RRK schon am Sonntagmorgen auffiel, wird durch diesen spektakulären Wechsel dokumentiert: Es kriselt in der Elf des deutschen Hockey-Renommiervereins. Gerüchte wollen wissen, daß auch Detlef Kittstein Abwanderungspläne hegt und nur noch bis zum Ende dieser Saison an der Adickesallee bleibt. Nicht wenige sind der Ansicht, daß sein neuer Verein dann vielleicht der seines alten Freundes ,Mike' Martin sein könnte: der Rüsselsheimer RK.

"Mike" Martin (dritter von links) gewinnt mit den Herren des RRK im Jahr darauf, 1973, die Deutsche Meisterschaft im Hallenhockey (Fritz Schmidt, Dr. Randolf Renker, Mike Martin, Wolfgang Beck, Manfred Liebig, Martin Müller, Klaus Held, Roland Segner, Rainer Seifert, Frieder Fleck, Wolfgang Molitor)