jo. - Es entbehrte nicht der Pikanterie. Während am Sonntagmorgen der
Rüsselsheimer RK an der Adickesallee seinen Erzrivalen SC Frankfurt 80 mit 3:1 „auseinandernahm",
stand im modischen Mantel ein Mann an der Eckfahne, dessen Name mit den großen
Europacuperfolgen des SC 80 untrennbar verbunden ist, den aber zu diesem
Zeitpunkt bereits nichts mehr mit seinem früheren Verein verband, da er ins
ehemals feindliche Lager übergewechselt war: Hans Michael (Mike) Martin, genannt
der „Siebenmetertöter" hatte einen Tag zuvor das Anmeldeformular beim RRK
unterschrieben, bei dem Klub, dem er im Mai dieses Jahres mit seinen glänzenden
Leistungen zwischen den Pfosten den Weg ins greifbar nahe Europapokal-Finale
verbaut hatte.
„Mitte der vergangenen Woche kam Martin zu mir und fragte, ob er nicht bei uns
spielen könne", erklärte RRK-Abteilungsleiter Hans Eisen die etwas verworrene
und auch für die Spieler um Fritz Schmidt überraschende Situation. Da zur Zeit
noch unbestimmt ist, wann Peter Kraus nach seiner Wirbelsäulenoperation wieder
die Beinschützer anziehen kann, und die Nummer 2, Karl-Heinz Nuffer, noch immer
trotzig abseits steht, nahm der RRK das Angebot gern an, da man mit der
ausgezeichnet eingeschlagenen „Notlösung" Dr. Randolph Renker nur über einen
Torhüter verfügt. „Ein Vabanquespiel, bei dem wir bisher unwahrscheinlich Glück
hatten, denn wenn sich Dr. Renker einmal verletzt hätte, hätten wir das Tor
zunageln müssen", schildert Hans Eisen die Lage.
Der 28jährige kam also gerade rechtzeitig, um die gefährliche Lücke beim RRK
auszufüllen. Der Frankfurter hatte eigentlich schon mit dem Gedanken gespielt,
den Schläger an den Nagel zu hängen, nachdem er beim SC 80 unmißverständlich
erklärt hatte, nicht mehr für diesen Klub spielen zu wollen. Er schmollte, weil
er nach seinen Glanzleistungen in den Europacupspielen im deutschen Finale, das
der SC 80 mit 1:2 gegen Rot-Weiß Köln verloren hatte, nicht von Anfang an
eingesetzt wurde und erst aufs Feld durfte, als die Partie schon verloren war.
Nach seiner selbst auferlegten Zwangssperre juckte es den Textilingenieur nun
wieder in den Fingern, und was lag näher, als sich den Rüsselsheimern
anzuschließen, da ein Wechsel zum Lokalrivalen Sachsenhausen/Forsthausstraße für
ihn nicht in Frage kam.
+„Eines haben wir wir „Mike" vor seinem Wechsel aber klipp und klar gesagt.
Sobald Peter Kraus wieder gesund und einsatzfähig ist, steht er als die Nummer 1
im Tor", wischt Hans Eisen etwaige Bedenken hinweg, daß es in diesem Fall zu
Rivalitäten innerhalb der Mannschaft kommen könnte. Martin muß, so schwer es ihm
auch fallen wird, dann mit der Ersatzbank vorlieb nehmen, aber das wußte er,
bevor er unterschrieb".
Was Beobachtern des Spiels zwischen dem SC 80 und dem RRK schon am Sonntagmorgen
auffiel, wird durch diesen spektakulären Wechsel dokumentiert: Es kriselt in der
Elf des deutschen Hockey-Renommiervereins. Gerüchte wollen wissen, daß auch
Detlef Kittstein Abwanderungspläne hegt und nur noch bis zum Ende dieser Saison
an der Adickesallee bleibt. Nicht wenige sind der Ansicht, daß sein neuer Verein
dann vielleicht der seines alten Freundes ,Mike' Martin sein könnte: der
Rüsselsheimer RK.