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Über Mitglieder des RRK (1999)   

Christian Domke

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Der Schatten des großen, erfolgreichen Bruders stört nicht mehr

 

Christian Domke will seinen Traum von Olympia 2000 erfüllen

 

Von ULRICH FRIED (aus "FAZ" vom 07.07.1999)
 

Christian Domke in Hessens Spitzenteam 1994 auf dem Feld, der Männlichen B-Jugend des RRK (hinten: Rene Sommerfeld, Björn Fuchs, Steffen Dreisbach, Christian Domke, Nico Hosang, Holger Gerlach, Torsten Kraft, Matthias Köppl, Tolga Özkol, Thorsten Naß, Heiko Heß, Trainer Torsten Althoff; vorn: Björn Birkicht, Tim Schmuck, Jürgen Stuhlträger, Martin Ehrhardt, Benedetto de Lauso, Gregor Theis, Nicolas Emmerling, Benjamin Jacobi)

Einen älteren und obendrein bekannten Bruder zu haben, kann ein hartes Los sein. Christian Domke etwa hat das noch einmal nachhaltig erfahren. Am 13. Mai war der Stürmer des Rüsselsheimer Ruder-Klubs (RRK) erstmals für die Nationalmannschaft des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) im Einsatz gewesen und hatte beim 10:0-Sieg im Länderspiel gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten in Düsseldorf auch gleich einen Treffer erzielt. Dennoch haben zunächst nicht viele ( von dieser erfolgreichen Premiere erfahren. Für die Agenturen bestand bei der Übermittlung des Spielberichts offenbar kein Zweifel, dass der Torschütze Domke mit Vorname nicht Oliver heißen könnte. Verständlich, war Christians zwei Jahre älterer Bruder vor gut einem Jahr in Utrecht doch zum besten Spieler des WM-Tumiers gewählt worden. "Manchmal habe ich mich schon so gefühlt, als ob ich nie aus seinem Schatten herauskommen würde", sagt Christian Domke.

Keine sieben Wochen nach der Partie in Düsseldorf weiß der zwölfte Nationalspieler, der aus dem RRK hervorgegangen ist, daß er diese Befürchtung nicht länger hegen muss. Elfmal hat Bundestrainer Paul Lissek den 21 Jahre alten Angreifer mittlerweile in Länderspielen eingesetzt und offenbar zunehmend mehr Gefallen an den Auftritten seines hessischen Landsmannes gewonnen. "Ich habe mich zuletzt immer sicherer gefühlt. Und nach den drei Länderspielen in Polen hat der Bundestrainer zu mir gesagt, dass ich, wenn er jetzt den EM-Kader benennen würde, dabei wäre", sagt Domke. Die Chancen, bei der Europameisterschaft vom 15. bis 26. September tatsächlich zum deutschen Aufgebot zu gehören, das in Italien mit dem Titelgewinn auch die vorzeitige Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sydney erreichen möchte, sind auch deshalb gegeben, weil die nationalen Verbände inzwischen 18 statt bislang 16 Spieler mitnehmen dürfen. "Und darunter werden bestimmt sechs Stürmer sein, wobei im Moment wohl nur Sven Michel gesetzt ist", so Domke.

Möglicherweise brauchte sich auch Christian Domke heute keine Sorgen mehr über seine EM-Teilnahme zu machen, hätten ihm vor zwei Jahren nicht gesundheitliche Probleme im Weg gestanden. Nach 15 Jahren Hockey, mit dem er durch eine Tante erstmals in Kontakt gekommen war, und 85 Berufungen in die Jugend- wie Juniorenauswahlteams des DHB schien das große Ziel 1997 schon einmal sehr nahe. "Ich wollte immer in die A-Nationalmannschaft, um meinen Olympiatraum erfüllen zu können", sagt Domke. Die Einladung, am Lehrgang des A- und B-Kaders über Ostern in Limburg teilzunehmen, sei seinerzeit zwar überraschend gekommen, "doch nach den vier Tagen hat man mir gesagt, dass ich mit am meisten aufgefallen wäre". Die positive Stimmung wurde allerdings durch Schmerzen im rechten Kniegelenk getrübt. "Die Ärzte haben einen Knorpelverschleiß festgestellt, und das war's dann erst einmal", so Domke.

Christian Domke (vorn Zweiter von rechts) im deutschen Europameisterschafts-Siegerteam der Junioren 1998 in Posen (Mannschaft: Clemens Arnold, Hendrik Sievers, Max Klink, Christian Achtmann, Uli Bergmann, Stefan Didyk, Max Landshut, Tibor Weißenborn, Tobias Hentschel, Andreas Lante, Christian Wein, Thomas Draguhn, Christian Domke, Patric Lunau-Mierke, Justus Scharowsky, Matthias Witthaus)

Seine Schnelligkeit und Ballsicherheit, die ihm 1993 die Auszeichnung als bester Spieler der deutschen Jugendmeisterschaft in der Halle einbrachten, waren auf höherer Ebene nicht unbekannt geblieben. Bereits mit 14 Jahren gehörte er dem Kader der "U16"-Nationalmannschaft an. "Ich war fast immer der Jüngste und musste mich auch körperlich durchsetzen. Ich denke, die Probleme im Knie kommen daher, dass ich in der Wachstumsphase einfach etwas zu ehrgeizig war", sagt der Rüsselsheimer. Diese Charaktereigenschaft ließ ihn dann auch im vergangenen Jahr noch nicht in den A-Kader vorstoßen: Nach einem Muskelfaserriss hatte er zu früh wieder begonnen. Dennoch gab es für Christian Domke auch 1998 Grund zum Jubeln. In Polen gehörte er zum Aufgebot des DHB, das zum fünften Mal den EM-Titel der Junioren gewann.

Die Beschwerden im Knie, die er heute dank einer bei Bedarf einsetzbaren Spritzenkur weitgehend im Griff habe, standen aber nicht nur seiner nationalen Laufbahn im Wege. Im Halbfinalspiel um die deutsche Feldhockey-Meisterschaft, das der RRK 1997 erstmals seit 18 Jahren wieder erreicht hatte, musste Christian Domke vom Spielfeldrand aus zusehen, wie seine Mannschaft in Bad Dürkheim gegen den SC 1880 Frankfurt 0:2 verlor. Verständlich, dass er das Erlebnis Endrunde möglichst bald mit seinem Heimatverein nachholen möchte. "Wir haben in der Bundesliga noch gute Chancen, Zweiter zu werden. Und mit dem Heimvorteil im Viertelfinale ist die Endrunde im Herbst drin", sagt Domke. Möglicherweise ist es aber auch schon früher soweit: "Am 10. und 11. Juli wird in Leipzig die Pokalendrunde ausgetragen. Das wäre ganz praktisch, denn an diesem Wochenende findet dort auch der nächste DHB-Lehrgang statt."

Obwohl er glaubt, dass es für den Rüsselsheimer RK schwer werden wird, ohne Trainer ganz nach vom zu kommen, ist ein Vereinswechsel für ihn kein Thema. "Ich habe alle meine Freunde hier", sagt Domke, der noch bis Ende August seinen Bundeswehrdienst bei der Sportförderkompanie in Mainz ableistet. Unmittelbar danach beginnt eine zweijährige Ausbildung zum Industriekaufmann. "Ich habe keine Lust zu studieren und wollte lieber etwas in der Hand haben", sagt Domke.